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Der Waehrungs- und Wahlkampf in den Vereinigten Staaten von Amerika
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bringe. Daß sie den Feind der Landwirtschaft in der Goldwährungund Hilfe und Rettung in der Silberwährung sehen, dafür haben dieFührer der Silberpartei gesorgt, die seit dem Jahre 1893 eine stille,aber um desto eifrigere Maulwurfsarbeit in den Ackerbaustaaten be-trieben haben, eine Wühlerei, die merkwürdigerweise bis zu Beginndieses Jahres dem Osten ganz unbekannt geblieben zu sein scheint,jedenfalls keine ernste Beachtung gefunden hat, da es sonst nicht schwergewesen sein würde, ihr unter Hinweis auf die thatsächlicheu Nerhält-nissc entgegenzuarbeiten.

Daß die ackerbaueuden Klassen unter einem starken Preisrückgangeund allen Folgen derselben zu leiden haben, unterliegt keinem Zweifel.Es ist dies aber eine der Krisen, wie sie sich fortwährend überall er-neuern und für die um so schwerer ein Heilmittel zu finden ist, alsihre Ursachen in der eigenen Schuld der Betroffenen zu suchen sind.Als die großen Ebenen der mittleren und westlichen Staaten der Kulturerschlossen wurden, war Land billig und die Weizenpreisc hoch; stattdas leicht erworbene Geld sicher anzulegen, um gegen einen Rückschlaggedeckt zu sein, wurde dasselbe in den weitaus meisten Fällen zurVergrößerung des Grundbesitzes verwendet und wo die eigenen Mittelnicht ausreichten, von den Banken Geld zu dem Zwecke gegen Hypo-theken aufgenommen. Als aber die Aufschließung des Landes nachWesten immer weitere Fortschritte machte und damit naturgemäß dieProduktion in viel schnellerem Maße zunahm als der Verbrauch, undals der bis dahin fast überall betriebene Raubbau sich in einem großenTeil des Gebiets als nicht länger durchführbar erwies, und zur lohnen-den Betreibung des Ackerbaus in der neuen Welt die Hilfsmittel not-wendig wurden, deren man sich in der alten schon längst hatte bedienenmüssen, da fingen die Preise namentlich von Weizen und Mais an, inbedauerlicher Weise herunterzugehen und auf die fetten Jahre derLandwirtschaft folgten die mageren. Mit dem Rückgang der Preiseder landwirtschaftlichen Erzeugnisse war selbstverständlich auch ein solcherdes Bodens verbunden, die Banken verlangten die Zinsen ihrer Dar-lehen und da dieselben nicht bezahlt werden konnten, kündigten sie dieHypotheken, die zu bezahlen die Grundbesitzer ebensowenig in derLage waren. Statt nun die Hilfe für die Landwirtschaft in derGründung ländlicher Kreditvereine und in einer besseren und billigerenBewirtschaftung des Bodens zu suchen, machten eine Anzahl vonRegierungen der Cinzelstaaten den Versuch, dem Uebel dadurch abzu-helfen, daß sie einerseits die Eisenbahngesellschaften zu einer Herab-setzung ihrer Frachttarife zu zwingen suchten und andererseits allenEinklagungen ländlicher Schulden, Hypotheken, Kündigungen undZwangsverkäufen solche Hindernisse in den Weg legten, daß die Gläu-biger dem Schuldner gegenüber thatsächlich kaum noch einen gesetzlichenSchutz und Abhilfe besaßen. Als naturgemäße Folge dieser Thorheitwurde das Geld in den Ackerbaustaaten immer knapper und dem ent-sprechend die finanziellen Bedrängnisse der Farmer immer größer, so