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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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I.Kapitel: Anknüpfung, Einteilung nnd Übersicht.

wird. Wir werden nach dieser zweiten nur noch eine, die dritte Haupt-periode zu unterscheiden haben; ihre entsprechenden Kennzeichen sinddie Trennung von Verlag und Sortiment, der Konditionshandel undder Konunissionsverkchr. Die Geschichte des deutschen Buchhandelsgliedert sich danach in die alte Zeit des Wanderverkehrs (14501564),die mittlere Zeit des Meß- und Tauschhandels (15641764) und dieneue Zeit des Konditionssystems (seit 1764). Der Fortschritt der zweitenHauptperiodc der ersten gegenüber beruhte darauf, daß die mit dertechnischen Erfindung der neuen Massenherstellung iu die Entwickclungeingesetzte Triebfeder, die eine außerordentliche Steigerung der Unter-nehmerthätigkeit bewirkte, zur Vorherrschaft des von der Herstellung sichlösenden Handels über die Herstellung führte und dieser Handel ein fest insich verbundener und zusammenarbeitender, also kulturell und volkswirt-schaftlich wertvollerer wurde. Der Fortschritt von der zweiten zur drittenHauptperiode bestand darin, daß die Entwickclung in derselben Richtungweiterschritt: abermals eine weitere Arbeitsteilung, ein engerer Zusammen-halt und ein stärkeres Zusammenwirken des Systems, aber nicht mehr anden schwerfälligeren persönlichen Handel gebunden, sondern von den Fesselndes Raums und der Zeit gleichsam befreit. Die Grenze zwischen derersten und zweiten Hauptpcriode verschwenden wir keine Worte aufdie so häufig vorgenommene Hervorhebung der (unvermeidlichen) Will-kürlichkeit aller solchen Einteilungen bildet die Begründung des Frank-furter Meßkatalogs (1564) und die endgültige Einsetzung der kaiserlichenBücherkommission in Frankfurt (1569): die beiden Ereignisse stellenBesiegelung und Beglaubigung des Sieges der Centralisation des buch-händlcrischcn Verkehrs dar; beide sehen in dem buchhündlerischen Verkehrauf der Frankfurter Messe den Herzschlag des litterarisch-buchhäudlerischenLebens von ganz Deutschland .

Der Gesichtspunkt, von dem aus eine solche Gliederung vorge-nommen wird, ist der der buchhändlcrischen Organisation. Sind wirdazu berechtigt? Muß nicht die Geschichte des deutschen Buchhandelsvon einem andern Gesichtspunkt beherrscht werden: dem der litterarischenEntwickclung, und wird man, wenn man die Geschichte nach dem ersterenGesichtspunkt ein- und abteilt, nicht den Forderungen des letzteren Ge-walt anthuu? Oder werden sich etwa die Wandlungen beider Elementeimmer genau entsprechen? Die Antwort auf die letztere Frage füllt