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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Orgcmisations- und litterargcschichtliche Gliederung.

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leicht, wenn wir uns erinnern, daß wir auf dem Gebiete des Litte-rarischen einerseits den Inhalt des Werkes, andrerseits den Grad derLebhaftigkeit seiner Aufnahme und den Umfang seiner Verbreitung unter-scheiden müssen. Organisation und litterarischc Beschaffenheit haben imGanzen und als solche wir werden sehen, daß auch hier gewisse Ein-schränkungen gelten nichts miteinander zu thun. Ob der Wert einesBuches von der Geschichte der Littcratur einen Grad, mehrere Gradehoher oder tiefer eingeschätzt wird, ist dieser Organisation als solchervöllig gleichgültig; die großen Hauptwandlungen- der Organisation sindabhängig von der Lebhaftigkeit und der räumliche» Verbreitung deslitterarischeu Bedürfnisses; auch der Einfluß der inhaltlichen Beschaffen-heit des Bedürfnisses ans die Ausbildung der gröberen, vor allem aberder feineren Züge der Organisation geschieht in der Hauptsache durchihre Vermitteluug.

Die Methode des Buchhandels ist seine Organisation. Wie alsoder Nerv der Geschichte einer Wissenschaft die Geschichte ihrer Methodeist, so ist der Nerv auch der Geschichte des Buchhandels die Geschichteseiner Organisation. Und man sieht, welches das unmittelbare Gegen-stück der Organisation auf der Seite des litterarischen Bedürfnisses ist:nicht die inhaltliche Beschaffenheit des Buches, sondern die Lebhaftigkeitund räumliche Verbreitung der Lektüre; nicht sowohl die Beschaffenheitdes litterarischen Werkes, als vielmehr Stärke, Ausdehnung und Be-schaffenheit des litterarischcn Bedürfnisses. Wenn man dies beachtet, soversteht man, wie jene obige Frage aufzufassen ist, und wiefern undwarum eine Übereinstimmung der großen Hauptwnndlungcn beider Seitenallerdings stattfinden muß. Die Steigerung des litterarischcn Bedürf-nisses ist aber wiederum abhängig von der allgemeine» Entwickclungs-geschichte eines ganzen Volkes.

Wenn wir den Zeitraum deutscher Geschichte vom 15. bis ins19. Jahrhundert hinein vom allgemeinen und speziell geistig-litterarischenStandpunkt aus überblicken, dann erscheint als Anfangspunkt der neu-zeitlichen Entwickelung das Aufblühen des Humanismus in Deutschland seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, als Hauptschcide einer alten undneuen Zeit innerhalb dieses Zeitraumes das Jahr 1648. Juuerhalbjener alten Zeit scheiden sich die Zeiten des Humanismus und der Re-formation einerseits, die nachreformatorischc und die Zeit des Dreißig-