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2. Kapitel: Der Büchermarkt,
Der Kaufmann, schrieb Adrian Beier 1690, hat im allgemeinenandere Produzenten, andere Konsumenten. Der Seidcnhändler erhältseine Seide vom Stuhlwirker; er verkauft sie an Fürsten und Herren.Der Buchhändler? Für ihn fallen die Kreise der Produzenten undKonsumenten zusammen: es sind die Gelehrten. Der Seidenhändler ver-kauft aber nicht nur an Fürsten und Herren; seinen Laden betreten Damenund Kavaliere ebenso gut, wie Taglöhner und Handwcrksbürschchen; „wor-entgcgen der gemeine Hausse den Buchladcn nicht viel kothig machet".Der Gelehrte produciert und der Gelehrte konsumiert des BuchhändlersWaren. „Seine Wahren sind von- und vor niemand als Gelehrten Ikeufft iemand von and'n kroksssionen zu Zeitn ein Teutsch- oder beyandern Nationen in seiner Mutter-Sprach gestelletes Büchlein j so ge-schichets zufälliger Weise un selten j daß daruf keine Rechnung oder Staatzu machen."^
Welches starke und selbstverständliche Bewußtsein einer tiefen Kluftzwischen der gelehrten Litteratur als der Litteratur als solcher, mit derso gut wie ausschließlich der ordentliche städtische Buchladen es zu thunhat, und den so gut wie litteraturloseu „andern Professionen", die darinhie und da „zufälliger Weise" ein teutsch Büchlein kaufen!
Wir befinden nns in einem Zeitalter der Büchergclehrsamkeit, einer Ge-lehrsamkeit zugleich, die noch ungleich mehr als spätere Zeiten zum Poly-Historismus neigte; und in einem Zeitalter, in dem den Gelehrten öffentlicheBibliotheken und gelehrte Journale noch nicht in der Weise spätererZeiten zur Verfügung standen, die letztern zunächst überhaupt noch nicht.
Daher im allgemeinen eine andere Stellung zur Bücherwclt, eineandersgeartete Schätzung des Buches. Die Bücher sind das Zeichen desGelehrten und der Stolz des Gelehrten; zugleich der Gegenstand einerehrfürchtig-intimen, gewissermaßen kindlichen Naritätenlicbhaberei. Da-her die zahlreichen Privatbibliothcken, die zahlreichen großen, die zahl-reichen wertvollen Privatbibliothcken und ihr universaler Charakter; daherdie hohe Bedeutung des Auktionswesens.
Privatbibliothcken ^ von mehreren tausend Bänden, namentlich ingrößern Städten, voran Hamburg , besonders Univcrsitäts- und Residenz-städten, wie Leipzig, Nürnberg, Dresden, Wien, Berlin , sind gerade inunserm Zeiträume häufig. I. I. Enzmitter in Leipzig , Jurist, reich undangeschen, in den Grafenstand erhoben, besaß 1i>56 eine Bibliothek von