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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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2. Kapitel: Der Büchermarkt.

Weise zusammenfaßten, in der die öffentlichen Bibliotheken wenig zahlreich,verhältnismäßig schlecht ausgestattet und meist schwerer zugänglich uudnamentlich außerhalb des Ortes schwerer benutzbar waren. Die Bremer Stadtbibliothek war nach den Bestimmungen vom Jahre 1660 Mittwochsaller 14 Tage geöffnet (es wehre denn daß der Bibliothclarius durchErheblichen verhindert, und es zuvor i»sr seöäul-un notificirt")^ die Bücherder Königsbcrgischen Stadtbibliothek (aufgestellt iu sechs Gemächern derAltstädtischen Pfarrschule) durften seit den 1730er Jahren jeden Montagvon 2 bis 4 Uhran Ort und Stelle" benutzt werden, nach Hause ge-nommen gegen Revers nur von den Wohlthütern der Bibliothek auf achtTage 4; die weltberühmte Wolfcnbütteler Bibliothek verlieh Druckschriftennur innerhalb der Stadt (Handschriften überhaupt nicht) ^. Sie versetzenuns endlich in die Zeit, in der es noch keine Leihbibliotheken und Lese-gesellschaften gab. Für alles das sind diese Bibliotheken bezeichnend.Schiffe, die für eine ganze Lebensfahrt mit Proviant ausgerüstet sind.Schon das Äußere ist dafür bezeichnend: der sechste bis vierte Teil davonwaren häusig Folianten, Werke von Umfang oder Inhalt, wie wir sie heutesicher zuerst den Bibliotheken überlassen. Wie merkwürdig berührt es unsheute, wenn damals, als das erste große Universallexikon (das von Zcdler)in Aussicht stand (1732), verzweifelt prophezeit wurde:Wenn diesesI^öxieon zu stände kommeu sollte, so würden die wenigsten sich andere Bücherkauffeu, sondern aus diesem einzigen I^sxioo gelehrt werden wollen I"^Dabei war das Bücherscumncln nicht auf Städte und Besitzer wiedie oben genannten beschränkt. Wir wissen z. B., daß in Siebenbürgen ^der Prediger des kleinsten Ortes seine Bibliothek besaß. In einigendieser Fälle kennen wir neben dem Taxwert der Bücherhinterlasscnschaftzugleich die Höhe des hinterlasscnen Vermögens, und man bemerkt dabei,einen wie ansehnlichen Posten die Bibliothek in einem Gesamtbesitz zuweilenausmachte. Grau in Hcrmannstadt, der gegen Ausgang des 17. Jahr-hunderts starb, hinterließ ein Vermögen von 1470 sl., und seine Bibliothekwurde (samt der Armcrcy, d. h. den Regalen n. s. w.) auf 800 fl. geschätzt.

Welches sind die für unfern Zeitranm bezeichnenden Eigentümlich-keiten des Büchermarkts selbst?

Der Büchermarkt des 17. und 18. Jahrhunderts besteht entwickelungs-geschichtlich aus zwei Gruppen von Littcraturgcbietcn: einer beharrenden und