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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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2. Kapitel: Der Büchermarkt.

In groben Umrissen gesehen, und indem man die sieben Gebiete zudrei Gruppen ordnet, kann man sagen, daß die relative Produktionshöheder Jurisprudenz, Medizin, Geschichte und Musik vom Beginne desDreißigjährigen Kriegs bis zum Ende des 18. Jahrhunderts annäherndfest blieb: sie betrug vom Dreißigjährigen Kriege bis in die 1730er Jahre36»/<>, von 1740 bis zum Ende des Jahrhunderts 32°/« der Gesamt-produktion; daß aber das in dem Zeitraum vom Dreißigjährigen Kriegbis in die 1730er Jahre bestehende Verhältnis zwischen der theologischeneinerseits, der philosophisch-poetischen Litteratur andrerseits sich seit demJahre 1740 gerade umkehrte: vorher betrug der Prozentsatz der Theo-logie 41 "/g, derjenige der Philosophie und Poesie zusammen 23 "/<,, nachherder Prozentsatz der Theologie nur 18"/, derjenige der Philosophie undPoesie zusammen aber 50"/<,.

Die Bibliotheken, die wir oben erwähnten, waren gelehrte Biblio-theken, wenn auch gelehrte in weitein Sinne. Namentlich fehlte darinein gewissermaßen allgemeingültiger Bestand populürklassischcr deutscherLitteratur: er bestand noch nicht oder doch so gut wie nicht. Es gabkeine allgemeine vornehme populäre Litteratur, die zu besitzen der An-gehörige des weiteren Kreises der nichtgelehrten Gebildeten sich gleichsam,und wenn auch nur vor sich selbst, verpflichtet gefühlt Hütte. Bernhard be-merkt 1718, daß man in Frankreich, England und Holland mehr aufAnschaffung litterarischen Hausrats sehe, und einen Ruhm darin suche,auch wenn man schon für seine Person nicht viel über den Büchern liege.In Deutschland , sagt er, machten die Reichen keinen so großen Staatdamit, den Mittelmäßigen aber würde ihre Besoldung also in die Handgezählt, daß sie des Jahrs wenig entbehren könnten.^ Ein Büchleinvom Jahre 1702 stellt fest, daß zuweilen wohl auch von etlichen so ge-nannten Gelehrten, der Regel nach aber von dennngelehrten, gemeinenPöbels Gemüthern" einerseits, rohen Welt-, Hof- und Kriegsleutenandrerseits gute Bücher wenig oder gar nicht ästimiert würden. °

Und werfen wir auch einen Blick auf das Buch selbst. Das deutscheDurchschnittsbuch der zweiten Hälfte des 17. und fast ebenso noch derersten Hälfte des 18. Jahrhunderts mutet noch reichlich altertümlich an.Es hat das Gepräge einer gewissen naiven Unbchülslichkeit und Schwer-flüssigkeit von großer Gleichförmigkeit und Eintönigkeit, wie sie so voll-kommen zu dem durchschnittlichen Stile jener Tage paßt; naiv darin, daß