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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Kunstwerk und Handwerk. Die deutsche Litteratur 16501700. ZZ

mittelbare Bedeutung der Hand und das Darniederliegcn ihrer Kunst:beides zugleich spricht sich in den lokalen und territorialen Privilegienund Verordnungen mit ihren Vorschriften guten Papiers, sauberen Drucks,sorgfältiger Korrektur^" aus. War die Herstellung selbst der Natur ihrerTechnik nach in höherm Grade als später eine Kunst: der allgemeinenGeschichte der Nation und der besonderen der buchgewerblichen Haupt-zweigc zufolge war sie dock) wiederum in besonderm Maße Handwerk.Hier übte die gewerbliche Zerspaltung ihren Einfluß. Mit dem Sinkendes Holzschnitts fielen Schrift und Bild auseinander; mit dem Aus-ciuauderfall von Druck und Verlag sank die Buchdruckerkunst. Dortwurden die Zieraten ohne Beziehung zum Text wie gewöhnliche Typenbehandelt; hier hören wir eine Coburger Jubelschrift zur drittel? Säcu-larseier der Erfindung der Buchdruckerkunst (1740):Die Buchdruckereiund der Buchhandel," sagt sie,sind heut zu Tage nicht mehr so genau,wie vor Zeiten, mit einander verbunden. Den Buchdruckern gilt es dahergleich, ob sie ein gutes oder schlechtes Buch drucken. Taugen die Büchernichts, so lassen sie den Verfasser und die Lsnsoi'es für die Verant-wortung, den Verleger aber für den Abgang sorgen . . Wegen desschlechten Papiers, wegen der schmalen Rändc, und wegen des engenDruckes kau auch gemeiniglich niemand, als der Verleger, und die Käufferselbst, zur Verantwortung gezogen werden . . Die Küuffer wollen dieBücher gerne wohlfeil haben, uud die Verleger, die so grosse SummenGeldes, wie ehemals aufwenden können, sind bereits zu ihren Väternversamlet . . Jedermann wird aber gestehen müssen, daß dieses nicht sowol ein Verfall der Buchdruckercy, als vielmehr des Buchhandels zunennen seye."^

Vergegenwärtigen wir uns aber genauer die inhaltliche Seite der da-maligen Büchcrproduktiou, hier zunächst der ersten Hälfte unseres Zeitraums.

Im Ostcrmcßkatalog 1650 sind 314 lateinische Werke, 73 theologischeSchriften in deutscher Sprache, 9 deutsche juristische und medizinischeSchriften und 49 deutsche Schriften der allgemeinen Klasse verzeichnet.71"/g der verzeichneten Schriften also waren nur für lateinisch lesendeBüchcrkciuser brauchbar;"/<> bestanden in deutscher theologischer Litte-ratur. Mit andern Worten: die lateinisch geschriebene und die deutsche theologische Litteratur betrug zusammen 87"/,,, und nur 13^ fiel aufdie ganze übrige deutsche Litteratur, die das gesamte über das kirchliche