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2. Kapitel: Der Büchermarkt.
war die Beschleunigung nur unbedeutend. Zu Eude unseres Zeitraumswird uns angegeben, daß ein Drucker in der Stunde ein Zeichen oderin zwei Stunden 500 Bogen Schöndruck ohuc Widerdruck^, mit andernWorten also in der Stunde 125 Formen lieferte. Die Leistung desSetzers betreffend, vereinigten sich die Leipziger Buchdruckerherren imJahre 1702 dahin, daß cr für den vereinbarten Lohn wöchentlich inordinär Format zu liefern habe: in Korpus- 4, in Cicero- 7, in Mittel-schrift 8 Formen; und — der Überschuß ist besonders zu vergüten —zu setzen im Stande sei: Korpus- 6, Cicero- 9, Mittelschrift 11 Formen.Als dem Wochenlohn entsprechende Leistung zweier an einer Presse thätigcnDrucker (des Pressen- und des Ballenmcisters, die sich in der Arbeitablösten) setzt die Vereinbarung 18 000, als ihre wöchentlich „wenigstens"mögliche Leistung 20000 Bogen fest (der Überschuß wurde auch hier ver-gütet). Das crsterc kommt mit der vorhin angeführten Angabc Geßnersvom Jahre 1740 übereiu, wenn man 12 Arbeitsstunden voraussetzt, uudergibt als Durchschnittsleistung einer Presse, auf den Tag 3000, auf dieStunde 250, auf die Minute 4,i? Bogen. Die „wenigstens" möglicheLeistung beträgt auf den Tag 3333, auf die Stunde 278, auf die Minute4,«3 Bogen; allgemeine Schriften derselben Zeit geben 3000—3500Bogen 12 als tägliche Leistung einer Presse an. Eine Zeitung von10 Bogen in 50000 Exemplaren Auslagehöhe müßte dabei von etwa300 Druckern auf etwa 150 Pressen gedruckt werden. Der Schwerfällig-keit der Technik entsprach die Länge der Arbeitszeit. Nach der FrankfurterBuchdruckerordnung von 1660 dauerte sie von früh vier — nachder Leipziger von 1701 von früh fünf — bis abends neun Uhr, undzwar im Winter (früher als ^4 Uhr morgens durfte die Hausthür nichtgeöffnet werden). Wie mit dem Druck, so mit der Papierfabrikation.Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts entstand hier nur eine einzige,aus Holland stammende Verbesserung, die aber nur ein feineres Papier,nicht schnellere Produktion bewirkte. Je unmittelbarer eine Herstel-lung in die menschliche Hand gelegt ist, desto mehr wird ein geschicht-licher Wandel in ihrer Güte möglich, während Maschine und verbesserteWerkzeuge ein höheres Niveau der Anforderungen schaffen, deren Erfüllungdann als ganz selbstverständlich gilt. In unserm Zeiträume liegt dieseKunst der Hand im ganzen entschieden darnieder, und keine großenSterne erglänzten am deutschen Buchdruckcrhimmel. Die größere un-