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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Die Technik.

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messingene Spindel an und erzielte so einen schärfern Druck. Im Jahre 1020erbaute Jcmsson Blacu in Amsterdam seine neue Presse, die, wiewohl dieHauptbestandteile nach wie vor aus Holz bestanden, doch schon einenÜbergang zur eisernen darstellt. Daß an ihr die an der alten Presse, umsie bei der Kraft des Zugs vor dem Wackeln zu schlitzen, zwischen Presseund Zimmerdecke eingekeilten Balken fehlen, die Spindel verkürzt undverdünnt ist, die feincrn, mit dem Druck in unmittelbarer Verbindungstehenden Bestandteile mancherlei Eiscnbcstandtcile aufgenommen haben,gibt ihr ein gewisses modernes Aussehen; sie ermöglichte einen leichternelastischen Zug, der Tiegel senkte sich gleichmäßiger auf die Schrift undlöste sich beim Aufhören des Drucks leichter von der Form ab. BeideVerbesserungen verbreiteten sich aber nur in sehr beschränktem Maßeund fanden nur in größern Offizinen, und selbst da nicht ausschließlichEingang; die Blacuschc Presse war noch im Jahre 1721 selbst in Nürnberg nicht eingeführt. Die Presse, die uns ErnestisWohleingcrichtete Buch-druckern", Nürnberg 1721, vorführt, ist ganz dieselbe, wie sie Jobst Ammann1568 abgebildet hatte. Und ebenso blieb die Glättpresse die alte bis ins19. Jahrhundert hinein; oder blieben Winkelhaken, Setzschiff, bliebenStege und Schraubenrahmcn von Holz bis in das zweite Viertel des19. Jahrhunderts: weniger scharfe Winkel zeigend, in der Feuchtigkeitspringend, anschwellend, sich werfend, in trockenem Zustande sich zusammen-ziehend. Die alte kompakte Presse mit ihrer gewaltigen hölzernen Spindelnnd die übrigen verhältnismäßig primitiven Druckgeräte legten das Druck-verfahren unmittelbarer in Arm und Hand des Menschen und machtendas Handwerk des ganzen Verviclfältigungsverfahrcns in Höhcrm Maßeals später zum Kunstwerk. Es scheint damit in Einklang zu stehen,daß wir Bücher finden, auf deren Impressum sich auch der Setzernannte", auch daß Drucker und Setzer noch nicht streng geschiedenwurden; in der Wiener Buchdruckcrgeschichte z. B. tritt uns dieserUnterschied erst in einer Ode vom Jahre 1764 auf Thom. v. Trattnerentgegen.^ Das Verfahren war dem der Maschine und auch verbessertenSetzcrwerkzcugcn gegenüber als Hand- und Kunstwerk schwerer, schwieriger,persönlicher, langsamer. Es war üblich, daß ein Setzer ein bestimmtesWerk anvertraut bekam; ehemalige Setzer erzählen in Autobiographienmit Stolz von den großen Werken, die von ihnen gesetzt wurden."" DieBlaeusche Presse beschleunigte den Druck zweifellos; indes ebenso zweifellos