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2. Kapitel: Der Büchermarkt.
die Handschriftzeit — jedes Kapitel, jeder Abschnitt u. dcrgl. mit einer,meist verzierten, Initiale. Das Papier läßt gewiß viel zu wünschenübrig, und die Klage darüber war an der Tagesordnung: das jetzt ge-wöhnliche Papier sei schwärzlich und dünn, meinte Ahasverus Fritsch 1675^, und im Süden klagte 1711 Abraham a Santa Clara, daßmancher Buchhändler so gar schlimmes Papier zu seinen Vcrlagsbüchernnähme es sei häufig dem grauen Löschpapier, von dem man in denWürzläden die Düten mache, nicht unähnlich, also daß man den Druckvon den schmutzigen Blättern kaum lesen könne." Um so verständlicherist der häufig (und schon seit Ende des 16. Jahrhunderts) begegnendeGebrauch, einen kleinen Teil der Auflage auf Schreib- oder Postpapierabziehen zu lassen. Das Druckpapier war dafür um so dürftiger. Manunterschied weißes, Halbweißes und (so schon in der kursächsischen Tar-ordnung 1623) braunes Papier; das Hallesche Waisenhaus gab eine„weiße" und eine „braune" Bibelausgabc heraus. Mau warf auch denBuchhändlern vor, daß sie wohl zum Titel und „auswendigen Lage-Bogcn"sauber und weißes, zu dem übrigen aber „grobes und schwartzcs" Papiernähmen, so daß die Bücher „übertünchten Gräbern" glichen.^
Wir können die Seiten unseres Buchs nicht betrachten, ohne zugleichdie Technik^ der Zeit vor uns zu sehen: um einerseits ihre besondershervorragenden Leistungen desto mehr zu bewundern, um andrerseits inunscrm Buche die Einheit des Geistes der Zeit und der Technik der Zeitverkörpert zu sehen. „Alle andern Erfindungen mochten im Laufe derZeit durch neue Zuthat den ursprünglichen Zweck erfüllen, nicht aberdie Buchdruckerei, welche so glücklich ihren Einzug in die Welt gehaltenhat, daß sie von Anfang an vollkommen war", sagte ein Franzosezu Beginn des Dreißigjährigen Kriegs^; und trifft das aller der Un-geheuern Fortschritte der Gegenwart ungeachtet im Grunde nicht auchheute noch zu? Diese Fortschritte aber sind erst in unserm nächstenZeiträume, seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, und auchdamals erst vereinzelt und tastend, emporgekommen. Die Ausstattung derDruckcroffizin unseres Zeitraums gehört zu seineu durchaus altzcitlichenMerkmalen. Einige technische Verbesserungen der Presse waren aller-dings schon vor unscrm Zeitraum entstanden. Der NürnbergerBuchdrucker Danner wandte, Mitte des 16. Jahrhunderts, statt derhölzernen, die sich leichter abnutzte und dann den Druck versagte, die