Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen
 
  

^

2. Kapitel: Der Büchermarkt,

burgischer Konfession finden sich Ostermesse 1690 (49 Artikel) vier, Oster-mcsse 1701 (37 Artikel) acht Schriften wissenschaftlichen Charakters, unterden katholischen nur 1701 zwei (unter neun); unter den 14 Schriftenreformierter Konfession aber befindet sich Ostcrmesse 1701 überhauptnur noch eine in lateinischer Sprache (dagegen augsburgisch 18, römisch20 lateinische Artikel). Die Rubrik der Teutschen Juristischen Bücherenthält Ostcrmesse 1690 ein einziges Buch, Ostcrinesse 1701 zwei Bücher;die Medizin und Ehymic dagegen zeigt Ostermcsse 1690 17 lateinischeund 21 deutsche, Ostermcsse 1701 21 lateinische und 15 deutsche Schriften,und zwar befinden sich unter den deutschgeschricbcnen zahlreiche eigent-liche Fachschriften.

Die in den Mcßkatalogcn verzeichnete deutsche Litteratur, von derwir uns damit ein getreues Bild entworfen haben, bildet nach derlateinischen Gclehrtenlitteratur die zweite Hauptschicht des damaligenBüchermarkts. Wir sehen, wie mächtig in ihr das theologische Elementvorwaltet, wie bescheiden in ihrem Schatten die Gewächse deutscher All-gemcinlittcratnr dastehen. Spezielle und allgemeine Zeitschriften, derBildung dienende Lexika, überhaupt wertvolle Bearbeitung und Ver-arbeitung, gute deutsche Unterhaltnngslitteratur höheren Schlags: allesdas ist nur in Anfängen vorhanden.

Unter dieser zweiten liegt endlich noch eine dritte Schicht, von derdie Mcßkataloge keine der Wirklichkeit entsprechende Vorstellung geben, dieaber an Kraft und Urwüchsigkeit, Lebhaftigkeit der Produktion und Ein-fluß auf die breiten Volksmassen jener überlegen ist. Nach Becher (1668)^waren, von der gelehrten lateinischen Litteratur abgesehen, diekurrentcstenMaterien": Schul-, Bet- und Hausbücher; Grillen- oder Narren-, auchLicbsbüchcr wie Eulcnspicgcl, Francions Historien also die Volksbücher:die Fintcnritter, das Lustige Lalcuburg, Markgraf Walthcr, Herzog Ernst ,der Gehörnte Siegfried, die schöne Magelone und Melusine , Eulenspicgel,Faust, der ewige Jude, die Unterweisung der sieben weisen Meister, HerrTristraut und Wigoleis, der Goldfaden, der list- und lustige Soldat,der endlich verzweifelnde Academicus neben den Historien- und Sagen-büchern gehörten ferner die Arznei-, Wetter-, Traum- und Rätsclbücherdazu. Die Unternehmer waren meist kleine Buchdrucker, die sich neben demLohndruck oft ausschließlich mit solchem Verlagegedruckt in diesemJahr" beschäftigten. E. G. Trowitzsch, Buchdrucker in Küstrin , sagte