Die Volkslitteratur. Die Gelcgenheitsschriftcn.
1780, seine Vorfahren hätten sich bei müßiger Zeit mit Verfertigung„allerlei) Lieder und Hausirbücher, als Eulcnspiegel :c." beschäftigt;„ich möchte," fährt er fort, „diese Sachen gern aufgeben, wenn ichandere Arbeit bekommen könnte; hier sind aber unendliche Schwierig-keiten."'^ Endlich nennt Becher den Kalender. Kein Bauer ist soarm, sagt Adrian Beier 1690, der nicht jedes Jahr seinen Kalenderkaufte.'^ Und um diese Littcratur herum endlich das Gestöber derLieder, der Komctcnschriften, der Blätter und Blättchen über Wunder-erscheinungen, Unglücksfälle, Kriegscreignissc; das ganze Gebiet der ur-alten „Neuen Zeitung", ein selbständiger Nebenarm in der Entwicklungs-geschichte der brieflichen Zeitung, der nie in das eigentliche Zeitnngsweseneinmündet, sondern uns als solcher durch unfern ganzen Zeitraum begleitet.-Schriftchcn in ganzen und halben Bogen, sogar Viertelbogen; Einblatt-drucke; vielfach mit Holzschnitten und Kupferstichen; von den spekulativenKleinverlegern — meist unbedeutenden Buchdruckern — in Ries undBogen an die Zwischenhändler abgegeben; im Einzelverkaufspreis herab-gchcnd bis aus Pfennige.
Neben den drei Hauptgruppen des Blichermarkts, die wir kurz alsdie des gelehrten Buchhandels, des populären deutschen Groß- oder Meß-buchhcmdcls und des Klein- oder Jahrmarltbuchhandcls bezeichnen können,steht als eine besondere Gruppe die spezielle Produktion des Druckersund Druckervcrlegers, namentlich des angestellten. Dieses Gebiet machtsich naturgemäß in den Meßkatalogen ebenfalls weniger bemerkbar: handeltes sich dabei doch hauptsächlich um amtliche und Gclegenheitspublikationeuprovinzieller, lokaler und persönlichster Natur. Von den 25, ineiner Jubelschrist vom Jahre 1740 aufgezählten, in der BaumannschenDruckerei in Breslau von 1650 bis 1740 erschienenen Schriften kommen35,s "/„ auf städtische und ständische Ordnungen und Verordnungen u. dergl.,26,7 "/„ auf Lcichenvredigten, Gratulationen, Todtcnelogia, Lobreden, Hoch-zeitsgedichte, 9 "/<, auf verschiedene Gelegenhcitsschriftchen (Hauseinsturz,Jubiläum, Fcuersbrunst), 6,? "/g auf Schulrcden und Schnlanfführungen(das übrige verteilt sich, von einem Kalender abgesehen, zu gleichenTeilen auf Andachtö- und Betbücher, auf Chronikalisches und auf Musik).Die Leichenprcdigten, die Leichen-, Hochzeits-, Gelegenheitscarmina aberwaren für die Zeit charakteristische Erscheinungen. Die Buchhändlerund Buchdrucker selbst, die es, dem Vervielfältigungsmcchanismus so