2. Kapitel - Der Büchermarkt.
Diese Leibnizschcn Gedanken: ist es nicht, wie wenn in uraltes Erd-reich frische Wurzeln eingesenkt würden? Buchhändlerisch, wie es zu-nächst scheint, großenteils gefährliche und unmittelbar verkehrte Gedanken,namentlich mit ihrem Grundsatz: nur wertvolle Produktion zu Druck undVertrieb zuzulassen, die übrige zu unterdrücken. Ging doch Lcibniz soweit, vorzuschlagen, daß kein Buch gedruckt werden dürfe, an dem derAutor nicht an vorausgeschickter Stelle angezeigt habe, was er damitdem Staate Nützliches, andern bisher Unbekanntes geleistet habe. Undwelche Bevormundung damit in staatlicher und litterarischer Hinsicht!Die merkwürdige Stelle lautet: „Die Schäden im Buchhandel sindzahlreich und groß und dem Staate außerordentlich schädlich. Sie be-stehen darin, daß stets das Beste nicht gedruckt wird. Gedruckt wirdviel Verderbliches, noch mehr Überflüssiges und alles, was verwirrt ist;und was nicht erbärmlich oder lächerlich und noch dazu schädlich ist,findet keinen Absatz. Es sind darum Maßregeln zu ergreifen, um denVertrieb schlechter und überflüssiger Schriften zu verhindern und einzu-dämmen, denjenigen guter Schriften zu unterstützen. Dasselbe gilt aberauch für den Druck. Es müßte keine Schrift gedruckt werden dürfen,von der der Verfasser nicht in einem Vorwort angegeben hätte, was erdarin bisher Unbekanntes zum Nutzen des Gemeinwesens geleistet habe."Und doch zugleich welche tiefgreifenden, die wichtigsten Interessen desBuchhandels treffenden Gedanken! Zeitschrift, Katalog: darin sind sievereinigt. Und zusammen mit den Plänen, die die Entwickelung desBibliothekswesens und die systematische Pflege der Unternehmung betrafen,hat Leibniz ganz vom Standpunkt der Bedürfnisse der Wissenschaften,nicht des Buchhandels und allgemeinster litterarischer Bedürfnisse ausdie für die Entwickelung der neuen Momente wichtigsten Richtlinienangegeben, wie sie teils unmittelbar, teils mittelbar für die eigenstenInteressen des Buchhandels von der größten Bedeutung waren.
Von dem Gedanken der Zeitschrift gingen Leibniz' Pläne aus, undin ihm haben sie ihren Halt und Gehalt. Und Leibniz hatte richtiggesehen; er war die Verkörperung starker und wirklich vorhandenerBedürfnisse. Nur daß sie alle sich nicht auf dem Wege der Willkürstaatlich-gelehrter Gesetzgebung entfalteten: „maßen ohne das," sagtLeibniz selbst, „bcy den gelehrten sich alles allmählich zu solcher Ver-besserung cli^niiirt, und der Englischen 8»e.ietät, der 1'Iorentinischcn