Zeitungen in Frankfurt a, M> und Hamburg ; Geschäftsbetrieb um 1730. 49
die für damalige Zeit bedeutende Höhe von 1500 Exemplaren. KeinAssessor am kaiserlichen Kammergericht, kein fürstlicher Kanzler oderrcichsstädtischer Syndikus in ganz Deutschland , erklärte in den achtzigerJahren eiuer seiner Konkurrenten, hätte eine Bestallung wie dieserZeitungsbesitzer, und jeder gäbe mit Freuden für ein solches Privilegtausend Thaler hin: allcrmaßen es jährlich über 20 M. (Mille) Thalerverintcressiere und die Wittwe Serlin — der Begründer war 1674 ge-storben — jedem ihrer sechs Kinder in die 500 Gulden HciratSgut gäbe,von ihrer üppigen Haushaltung und dem kostbaren Hause, das sie sichgekauft hätte, zu geschweigen. Journal und Postzeitung (seit 1748„Oberpostamtszcitung") blieben durch das ganze 18. Jahrhundert diebedeutendsten publizistischen Unternehmungen Frankfurts. In Hainburg entwickelte sich der Hamburgische Korrespondent (die heutige Zeitunggleichen Namens), der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dasbedeutendste Blatt ganz Deutschlands werden sollte. Gegründet 1710 als„Schisfbecker Posthorn" vom Buchdrucker Holle im holsteinische» DorfeSchiffbeck bei Hamburg , seit 1712 zweimal wöchentlich erscheinend, 1714unterbrochen, 1721 wieder ins Leben gerufen, gewann es nun rasch breitenBoden, bürgerte sich besonders in Hamburg eiu und wurde 1731 dorthinverlegt. Das Blatt erschien damals viermal wöchentlich, die Nummereinen halben Bogen stark. Die Bruttoeiuuahmc betrug, indem 25 Bogenzu 1 Mk. (— i/g Reichsthaler) verkauft wurden, jährlich 6552 Mk.,also die Auflage (d. h. der Absatz) 1575 Exemplare. Der Verkaufs-preis vou 1 Mk. pro 25 Bogen ist ein Durchschnittspreis; die Be-zahlung wurde entweder vierteljährlich, wobei man 1 Mk. für 13 Nummernoder 26 Bogen bezahlte, oder buchweise berechnet, wobei also für 1 Mk.24 Bogen geliefert wurden. Die Zcitungsnummcrn wurden, und daswar allgemein so und ist erst durch Cotta um die Wende des 18. Jahr-hunderts geändert worden, in Rechnung geliefert (nicht pränumerandobezahlt); der Hamburger Korrespondent schützte sich dabei gegen säumigeKundcnzahlung in der Weise, daß die Zeitung, wenn die Zahluug einJahr lang ausblieb, nicht mehr geliefert wurde. Die jährlichen Her-stellungskosten betrugen 2352 Mk., die jährliche Ncttoeinnahme also4200 Mk. Der Satz einer Nummer kostete 20 Schilling (1 Mark —16 Schilling — i/g Rcichsthalcr oder 8 Groschen), der Druck (Korpusoder Reinländer) von tausend Exemplaren 12 Schilling, der der Druck-