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2. Kapitel: Der Büchermarkt.
Das Beispiel blieb freilich vereinzelt, und auch die genannte LeipzigerZeitung, neben der unbedeutendem des Leipziger Postmeisters die einzigein Leipzig , erschien, nachdem Ritzschs Privileg abgelaufen und seine Zcitnng1672 zu einem an den Postmeister verpachteten Staatseigentum gewordenwar, nur noch viermal wöchentlich. Häufiger aber wurde von derselbenZeit an das wöchentlich zweimalige Erscheinen der Zeitungen. In derersten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte es noch zu den seltensten Aus-nahmen gehört (z. B. Hildesheimer Zcituug, 1619, noch ohne bestimmteWochentage einzuhalten). Jetzt gingen eine ganze Anzahl von Wochen-blättern zu diesem Erschcinungömodus über: Zeitungen in Königsberg(1661), Frankfurt a. M. (Journal, etwa 1665), Wien (ItalienischeZeitung, 1671), Köln (der Postmeister gab seit 1684 neben der Diens-tags-Ordinari eine Freitags-Extraordinari heraus), Stuttgart (1709),Schiffbeck bei Hamburg (der spätere Hamburgischc Corresvondcnt, 1712),Hamburg (Jntelligcuzblatt, 1724) und so manche andere mehr. DasFrankfurter Journal kam schon in den letzten Jahrzehnten des 17. Jahr-hunderts häufig dreimal, im 18. Jahrhundert regelmäßig viermal in derWoche heraus, ebenso seit 1720 die Frankfurter „Postamtszeituug"(verlegt von Eichcnbcrg d. Ä.) und seit 1731 der Hamburger Korre-spondent.
1656 erhielt Breslau, 1674 Jeua (heutige Jcnaische), 1678 Hanau (heutige Hanauer Zeitung), 1684 Stettin, 1691 erhielten Lübeck undGotha (heutige Gothaischc) ihre erste Zeitung. Es mögen einige Städtemehr sein, die um diese Zeit ihre erste Zeitung druckten; von größererBedeutung waren nur sehr wenige aller in unscrm Zcitrnnm erscheinendenBlätter. An der Spitze der deutschen Städte stand hinsichtlich seinerZcitungslitteratur Frankfurt a. M. Es besaß zwei Zeitungen: eine Post-meister- und eine Buchhändlerzcitung. Die letztere war das „Journal",das nach dem Eingehen des in der Schwedenzcit gcgründctcu Unparteiischen1665 von Wilh. Serlin gegründet wurde. Es wurde bis 1802 un-unterbrochen von seinen Erben verlegt und daher gewöhnlich ScrlinscheZeitung genannt. Es erschien von der Gründung an zweimal und schonin der ersten Zeit gelegentlich dreimal wöchentlich; seit den 1680er Jahrenwar es eins der getcsensten Blätter innerhalb Deutschlands und auchim Ausland verbreitet. Die Auflage der Postzeitung sank von 1000auf etwa die Hälfte der Exemplare herab, diejenige des Journals erreichte