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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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5.2

2. Kapilcl: Der Büchermarkt.

Stelle trat 1721 das erste Blatt, dem eine glückliche Zukunft beschicken war,die vom Buchhändler Rüdiger begründete (spätereVossischc") Zeitung.Auch sie war exklusiv privilegiert (der jährliche Kanon betrug 200 Reichs-thaler): Sachsen, Österreich und Preußen hatten sich der Presse ihrerlitterarischcn Centren versichert; Leipzig, Wien und Berlin traten in dasFridericianischc Zeitalter je mit einer einzigen privilegierten Zeitungein. Rostock und Hildesheim besaßen seit dem Dreißigjährigen Kriegezunächst überhaupt keine Zeitung, bis 1705 in Hildesheim die heutigeHildesheimer Allgemeine Zeitung " entstand und 1710 der RostockerUniversitätsbuchdrucker Weppling seiner Stadt die heutigeRostockerZeitung" schenkte. Dresden hat sich von 1718 bis 1730 mit einemgeschriebenen Diarium beholfen; im Jahre 1730 erfolgte die Gründungeines Jntelligenzblattes, des späternDresdener Anzeigers". Ähnlichbesaß Straßburg seit dem Untergänge der alten, seit 1609 bestehendenZeitung, also spätestens seit der Wende des 17. Jahrhunderts, keineZeitung und erhielt erst im Jahre 1732 sein Jntelligenzblatt. Casselbekam erst 1731 ein Jntelligenzblatt; Lübeck erhielt, nach seiner nichtweiter nachweisbaren Zcituug der 1690er Jahre, eine politischeZeitung erst zu Beginn der 1750er Jahre. Augsburg hatte eine pro-testantische, 1690 kaiserlich privilegierte (heutige AugSburger Abend-zeitung), und eine katholische, 1695 kaiserlich privilegierte Zeitung(heutige Augsburger Postzeitung). In Stuttgart tauchten im zweitenJahrzehnt des 18. Jahrhunderts zwei dürftige, rasch verschwindende Unter-nehmungen auf; erst der 1729 gegründete Merkur hielt sich bis in dieachtziger Jahre, um dann nach kurzer Pause 1785 sciue Auferstehung alsSchwäbischer Merkur" zu feiern. In Königsberg hielt sich die oben-erwähnte Zeitung, im Besitz der Reußner, in Magdeburg die VorgängerinderMagdeburgischen Zeitung"; im Jahre 1730 ging sie an den Buch-drucker G. G. Faber über, dessen Nachkommen sie noch heute besitzen.In München erschien eine äußerst kümmerliche Ordinari-Postzeitung, inNürnberg eine bescheidene Reichspostzeitung. Bon heute noch bestehendenZeitungen gehen ferner außer den gelegentlich genannten auf damals ge-gründete zurück.- Lippstadter Zeitung (1709), Nicdlinger Zeitung (1714),Frankfurter Jntelligenzblatt (1721), Koblenzer Zcituug (1726), ^Kon-stanzer Zeitung (1728), Darmstädter Tageblatt (1739), Danziger Jn-telligenzblatt (1739).^