Zeitunasgeschichtc, Zeitungskollcg. Die „gelehrten Zeitschriften". 55
Von vicl größerer und von viel uumittelbarerer Bedeutung fürden Buchhandel aber waren andere neue Eutwickclungcn ans deinGebiete der periodischen Littcratur. „Mau liest die Zeituugcu nichtdarum, daß man daraus gelehrt und in Beurteilung der Sachen geschicktwerden, soudern daß man allein wissen wolle, was sich hier und da be-gibt." Welcher ungeheuere Fortschritt sollte sich hier vollziehen! EineSaat, von der Leibniz geträumt hatte, sollte, zum Teil wirklich vou ihmselbst gepflegt, aufgehen. Im Jahre 1700 erfolgte, nach Pariser (1634)und Londoner Beispiel (1662), die durch Leibniz bewirkte Gründung derKöniglichen Societät der Wissenschaften zu Berliu; uud in demselbenJahre wurden in Hannover die Monatlichen Auszüge aus allerhandneu herausgegebenen nützlichen und artigen Büchern eröffnet, heraus-gegeben (1700—1702) von Eckart, dein Sekretär Leibuizcuö, ein Unter-nehme» aber, das in der That Leibniz selbst angehört^: kurze Auszügevon gut gewählten Büchern aus allen Fakultäten, durch Anmcrkungeuund Zwischcnrcden über den Verfasser, seine sonstigen Schriften sowieinhaltlicher Natur erläutert; au, Schlüsse jedes Hefts „Neue Zeitungenvon gelehrten Sachen", d. h. allerhand littcrarischc, besonders biblio-graphische Miscellen. Es sind dies zwei Ereignisse, in denen von denPlänen, die Leibniz drei Jahrzehnte vorher entworfen hatte, Wirklichkeit-wurde, was dnvou wirklich werden konnte uud sollte. Daß es aber wirk-lich werden sollte und mußte, war daraus zu ersehen, daß der Han-noversche Auszug nicht die erste der „gelehrten Zeitschriften" war, unddaran, wie rasch sie sich vermehrten. Wie auf den politischen uudHaudclSbrief die Zeitung, so folgte auf den Gelchrtenbricf die Zeitschrift,auf die Zeitung das (nichtpolitische) Jourunl. Das Ausland, auf dasLeibniz selbst verwies, hat unscrn Deutschen das Vorbild gegeben: seit1665 erschien in Paris das 5ouiim1 des L^vans, das nicht nur alsbald,wie sich versteht, in Amsterdam nachgedrückt wurde, souderu auch schon 1671im deutschen Klciupariö, iu Leipzig , iu lateinischer Übersetzung herauskam;seit 1668 erschienen in Rom das (^ioi'imls cle' LetterM, in England seit1665 die ?Iiil08ozM<Äl "Ii'lmsaetions, seit 1682 die ^Vsslcl^ Memorialst'or Iiis inMiiious. In demselben Jahre 1682 nun begannen in Leipzig die^.ew Lruäiwrum zu erscheinen (bis 1782): die erste — noch lateinisch ge-schriebene— Littcraturzcituug iu Deutschland, monatlich erscheinend, heraus-gegeben vom Leipziger Professor Otto Mcnckcn unter Mitarbciterschaft von