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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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2. Kapital: Der Büchermarkt.

nur Prediger auf dein Lande hielten sie gemeinsam mit ihren Schulmeisternund Schultheißen , sondern schon setzten sich in den Städten Lakaien,Stallknechte, Äalcfaktorcn, Gärtner und Thorhütcr zu einander und hieltenihrGespräch aus deu Avisen" und doch, ineint Stieler unwillig,geht sie die Frage, was der König in Frankreich , der Papst und derSultan zu Konstnutiuopcl mache, ebenso wenig an wie die, ob imMonde Menschen oder Geister wohnen mögen.

Eine Geschichtschreibung des Zeitungswcsens begann.- anhebend mitChristian Weises Seluzäiusum Luriosuw äs I^eetions ^oveUarum undAhasvcrus Fritschs Oiseui'Kus äs XoveUÄrum . . usu et üdnsu, beide1676; von ihuen eingeleitet folgte eine ganze Littcratur über Nutzen undSchaden, Gebrauch und Mißbrauch der Zeitungen besonders in herz-lich unbedeutenden akademischen Dissertationen niedergelegt.^ Ludewigin Halle (der auch einenDiscurs vom Gebrauch und Mißbrauch derZeitungen" schrieb, Halle 1700), las ein Sonnabend-Kolleg über dieZeitungen (im Jahre 1700)5"; es erschienen ZcitungS-Schlttssel (Braun-schweig 1720 fg.).

Man darf in einer derartigen Verbreitung uud begierigen Aufnahmeder Zeitungen kein wesentliches Merkmal des Fortschritts der buch-händlerisch-literarischen Entwickelung sehen. Der Blick der Zeitung istdurchaus nach außen gekehrt, durchaus der bunten Oberfläche der kom-menden und gehenden Dinge zugewendet, und über diesen Zcitungötitzcl(1679 HartmannsUnzcitigc Neue Zeitungs-Sucht") hatte schon Fischartgespottet. Wer zu regieren und an der Regierung teilzunehmen hatsei es an der des Staates, sei es an der der Stadt, wer nach Kon-stellation der Staaten und Elemente seine Maßnahmen zu treffen hat,wer um gelehrter und lehrhafter Interessen willen kennen muß, was derLauf der Welt die letzten Tage mit sich gebracht hat, wer endlich alswohlhäbigcr Bürger mit seinesgleichen auf der Bierbauk, wer als Gliedeines gebildeten geselligen Kreises wie nun auch das Frauenzimmeransänge mit parlieren will: der ist es nach Sticler, für den dieZeitung, und dies sind die Gründe, warum sie für ihn geschriebenist. Knechte und Mägde dagegen sollen der Zeitungen müßig gehen,und ebenso sollten Handwcrkslcute, gemeine Bürger nnd Bauern aufdem Laude lieber ihrer Hantierung abwarten und ein Kapitel aus derBibel lesen."