2. Kapitel: Der Büchermarkt,
dcr Höfe, die persönlichen Erlebnisse und Eigenschaften der Regenten undihrer Umgebungen, die Abenteuer der Maitrcsscn und Günstlinge u. s. w.;das beliebteste dieser Blatter war die „Europäische Fama, Welche dengegenwärtigen Zustand dcr vornehmsten Höfe entdecket" (Leipzig 1702—1756). Die dritte Gruppe endlich ist die der populären Journalistik.Sic bezweckt lediglich Unterhaltung und Zerstreuung; die Behandlungder Tagcsgcschichtc ist meist satirisch. Sie bringt Anekdoten, Schwänle undSeltsamkeiten, merkwürdige Schicksale großer Herren, Schaudcrgeschichtenvon Tyrannen und gekrönten Bösewichtern, ausführliche Schilderungenvon blutigen Schlachten, Fcuersbrüusten, großen Seuchen, von fürstlichenBcilagcrn, Hoffesten. Sic gipfeln in den erzählenden Journalen DavidFaßmanns: ihr erstes und bedeutendstes waren seine „Gespräche in deinReiche derer Todtcn, Nebst dem Kern der neuesten Merckwürdigkeiten undsehr wichtig darüber gemachten ReÜkxiunen" (Leipzig 1718—1744)."
Seit dem zweiten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts aber schon dehntensich die Züge des Journalwescns nnn zu viel breiterer Ausladung, weitetees sich zu viel lebensvollerer Entfaltung, nahm es Interessen des Hausesund des Herzens, des Geistes und der Gesellschaft auf, die bisher inden Blättern der Presse, die doch am leichtesten und zahlreichsten andie Bürger der lesenden Welt hcrangcweht wurden, noch nicht gepflegtworden waren. Die gelehrten Folianten der ^.ew Lrudiwium nochgründlicher überholend, gestaltete es das frühe Beispiel, das Thomasiusgegeben hatte, nach dem unmittelbaren Muster der englischen Tatlcr(1709/10), Spectator (1711/12), Guardian (1713) aus: die moralischenWochenschriften entstanden.^ Ihr Gegenstand sind nicht mehr nur diehöfische Gesellschaft, das Ausland, die großen Potentaten, sondern dasdeutsche Bürgertum, nicht mehr die großen und kleinen Ereignisse undBegebenheiten, sondern der Mensch. „Unser Gegenstand ist der Menschmit Allem, was zu dem Menschen gehört", heißt es im ersten Stück des„Malers der Sitten" (1746). Sie referieren nicht, sondern beurteilenund wollen erziehen. Die ersten erschienen in Hamburg : 1713 derVcrnüufftler, 1718 die Lustige Fama. Es sind die ersten und die beideneinzigen dieses Jahrzehnts, von dein Nürnberger Spcktatcur (1719) ab-gesehen. Zu Beginn der zwanziger Jahre folgen Zürich und Bern ;die Züricher Discourse dcr Maler (1721—1723), die über Erziehung,über Sprache und Poesie, über Gesellschaft, über Ehe, Liebe und Freund-