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2. Kapitel: Der Büchermarkt.
deutsch 5051, fremde lebende Sprachen 845 (Ausland 773, Deutschland 72). Die drei griechischen Artikel der siebziger Jahre dürfen wir ver-nachlässigen. In Deutschland hat danach in dem halben Jahrhundertvor Beginn des Dreißigjährigen Kriegs die lateinische Litteratur stärkerzugenommen als die deutsche; die in Deutschland erschienenen lateinischenArtikel betragen in den siebziger Jahren des 16. Jahrhunderts 55"/gder in Deutschland erschienenen Bücher, die deutschen Artikel 43"/<>; fürdas zweite Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts sind die entsprechendenProzentsätze 58°/„ und 40"/<,; es verhalten sich von den in Deutschland erschienenen Schriften die deutscheu zu den lateinischen in jenem erstemJahrzehnt wie 1:1,^, in diesem letztern wie 1:1,«. Andersdie ausländische Produktion. Hier betrug in den siebziger Jahren des16. Jahrhunderts die muttersprachliche litteratur 14"/^, die lateinische86°/g, im zweiten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts aber 21"/<> und79 "/g. Wahrlich ein gewaltiges gemeinsames Gebiet internationalerGelehrtenlitterntur, auf dem sich die verschiedenen cxcentrischcn Kreisedecken; aber man sieht doch, wie einerseits die fremden Nationallittcra-turen cmpordrängtcn, wie zäh andrerseits Deutschland gerade damals au derlateinischen Litteratur festhielt. Das Ausland ist es auch, aus dem diefrühesten buchhandclsgcschichtlichen Äußerungen über jene Veränderung desBüchermarkts herstammen. Im Jahre 1632 schrieb Heinrich Spelmannin London^, wie außerordentlich zurückhaltend die Londoner Typographenund Buchhändler der Abnahme der Zahl lateinisch lesender Büchcrkäufer ent-sprechend in Herausgabe uud Vertrieb lateinischer Litteratur geworden wären.
Was das Zeitalter des Dreißigjährigen Kriegs als Scheide einesalten Zeitalters internationalen Meßverkchrs und eines neuen, mehr undmehr sclbständig-vertiefeud sich entwickelnder und abschließender nationalerBildungen bedeutet, die neue Bezichungs- und Verkehrsarten erst aus-gestalten mußteu — diese allgemein für die politische und wirtschaftlicheGeschichte Deutschlands gültige Erscheinung zeigt sich vielleicht nirgendsdrastischer als wiederum auf den Seiten unserer Meßkataloge, und zwarin den von ihnen verzeichneten ausländischen Artikeln.
Der Anteil der italienischen Produktion am deutsche » Meßvcrkehrwar schon seit dem zweiten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts stark imSinken — die Stürme des großen Kriegs haben die Artikel der ita-lienischen Verleger so gut wie vollständig von der deutschen Meßbnhnc