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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Verminderung des ausländischen Anteils am deutschen Meßvcrkehr. 79

hinweggefegt. Der Anteil Londons und Frankreichs am deutschen Meß-vcrkehr war umgekehrt seit Beginn des 17. Jahrhunderts im stärkstenAufstieg begriffen. Um so stärker ist der Eindruck, wie der erstcre fastwie mit einem Schlage vernichtet, und zwar, ebenso wie der italienische,auf die Dauer vernichtet wird. Ein schroffer und tiefer Absall auchdes französischen Anteils; nur Lyon hält sich nach dem Schwedisch-Französischen Kriege noch zwei Jahrzehnte auf einiger, wenngleich mit dereinstigen nicht vergleichbarer Höhe. Die Tabelle auf Seite 80 und 81 ver-zeichnet die in dm Mcßkatalogen enthaltenen italienischen, englischen undfranzösischen Verlagsartikcl von 1620 bis 1760. Welcher gewaltige Unter-schied, wenn wir die vor (Tabelle auf Seite 76 und 77) und nach demKriege in den Mcßkatalogen verzeichneten Artikel dieser Länder vergleichen!

Anders als die EntWickelung des englischen und romanischen gestaltetesich die des holländisch-belgischen Büchermeßverkchrs. Allerdings gehenauch für Antwerpen, Lehden, Amsterdam die Ziffern in den zwanzigerJahren des 17. Jahrhunderts zurück; aber Antwerpen bleibt bis gegenEnde der fünfziger Jahre mit sehr hohen Zisscrn vertreten, um erst inden sechziger Jahren reißend zu fallen und mit den siebzigern samt demübrigen Belgien fast vollständig zu verschwinden. Ähnlich wie Antwerpen ,nur auf nicht so hohem Niveau, in Holland Lehden. Besonders langeaber hat im größten Umfang Amsterdam den alten Meßverkehr gepflegt.Wie diejenigen Lehdens, so steigen seine Vcrlagsziffcrn gerade in denschweren dreißiger Jahren wieder an, aber während der Anteil Lehdensmit den? Ende des Kriegs stark sinkt und seit den sechziger Jahren einesehr bescheidene Höhe zeigt, hält sich Amsterdam bis zum Ausgang dersechziger Jahre auf so steiler Höhe, daß der starke Rückgang um fast250 Artikel, der in den siebziger Jahren eintritt, es bis zum Ende desJahrhunderts noch immer auf einem Niveau von über 200 Artikelnpro Jahrzehnt bestehen läßt, um erst dann in jähem Sturz in dieNiederung von 19 Artikeln im Jahrzehnt herabzusinken. Der starkeAufschwung aber, den besonders Amsterdam namentlich seit 1740 zeigt,gehört nicht mehr in diesen Zusammenhang. Er bedeutet nicht dasWiederaufleben in Frankfurt ecntralisicrter internationaler Beziehungenalten Stils, sondcru ein Sichfcstsetzen der Holländer in Leipzig , inGegenwirkung namentlich gegen den neuzeitlichen direkten ausläudischeuVerkehr, den Leipzig damals auszugestalten begann.