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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Zunehmende Bedeutung Norddeutschlands.

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Niveau emporragten, sind gestiegen: Leipzig, Halle, Jena, Hamburg ,Breslau, Bremen und Erfurt ; gefallen, aber ohne unter das Niveauherabzusinken, nnr Wittenberg und Magdeburg ; zwei Städte sind unterdas Niveau herabgesunken: Frankfurt a. O. und Rostock; aber dafürsind sieben neue Städte darüber emporgestiegen: Dresden, Berlin , Bu-dissin, Wolfenbüttel , Hannover, Braunschweig und Züllichau.

Au Städten unter dem genannten Niveau zählte ehemals der Nord-osten 27, der Südwesten 41; jetzt zählte deren der Nordosten 73, derSüdwesten 40; und unter diesen 40 Städten befanden sich im Gegensatzzu Dresden, Berlin, Hannover Wien (mit 38), München und Prag (mit je einem Artikel in zehn Jahren).

In dem Jahrzehnt 16101619 erschienen im Nordosten 5398, imSüdwesten 6941; im Jahrzehnt 17301739 erschienen im Nordosten8878, im Südwesten 2122 Artikel.

Dieser Überblick und der Satz: daß der Büchermarkt norddeutschergeworden sei, sind beide unmittelbar buchhandcls-littcrarischer Natur.Es ist darin ein Wandel unmittelbar wiedergegeben, wie er sich abspieltin dem fortschrittlichen Gebiete des damaligen buchhändlcrisch-littcrarischenLebens, abspiegelt im buchhändlcrisch-littcrarischen Ecntralorgan des buch-händlerisch-litterarischcn Centrums dieses Gebiets, dem Leipziger Meß-katalog. Nicht das besagen sie, daß dies und so die gesamte Produktionaller Städte Nord- und Süddcutschlcmds, Österreichs und der Schweiz gewesen wäre. Die ganze Schicht des Büchermarkts z. B., die wiroben als die dritte und unterste bezeichnet haben, fehlt dabei fast voll-ständig. Der Ausfall trifft weiter besonders die theologische, speziellwir konnten es bei der Analyse der Meßkatalogc beobachten (s. o. S. 72) die spezifisch katholische Litteratur Süd- und Westdeutschlands , dieauf den Messen von Salzburg, Prag, Nürnberg u. s. w. ohne Katalogevertrieben wurde. Es ist eine Art Selbstausschluß süddeutscher Litteratur,die Platz greift; namentlich zog sich der katholische Buchhandel seit demWestfälischen Frieden immer stärker aus sich selbst zurück; und daserklärt zum Teil mit den Unterschied unserer Tabellen. Aber das mitdem unleugbaren starken absoluten Rückgange der süd- und westdeutschenStätten namentlich altzcitlich gclehrt-lateinisch-katholischer Produktion ver-bundene Sichzurückzichcn Süddeutschlands , und besonders des katholischen,wie es sich in der Geschichte gerade des Buchhandels so deutlich zeigt,