2, Kapitel: Der Büchermarkt.
ist eine Art Selbstausschluß von dem Strom des deutschen Gesamt-fortschritts. Was, von konfessioneller und anderer Spezialität abgesehen,fähig und wert war, sich allgemeinen Absatz zu verschaffen, das kamauch auf die Leipziger Messe oder wurde dorthin geholt. Es ist einUnterschied durchaus nicht bloß örtlicher Sondcrung, sondern ein solchereines immer mehr steigenden inhaltlichen Zurückbleibens des „Reichs":wie es uns in seiner ganzen Schärfe — und gruudwcsentlichcn Bedeutungfür die deutsche Buchhandelsgcschichte — in der Geschichte der zweitenHälfte des 18. Jahrhunderts entgegentreten wird. Die hohen Schulenvon Wittenberg, Tübingen, Rostock, Jena, Marburg, Heidelberg warenes, die schon seit dem Zeitalter der Reformation cmporblühten; Sachsen,Württemberg, die Pfalz, Hessen , die protestantischen Reichsstädte, ander Spitze Straßburg, Nürnberg, Bremen , gingen in der Pflege desMittelschul- und Elementarunterrichts voran. Von den in Katalogengedruckten oder andern Werken beschriebenen vorzüglichsten Privatbiblio-theken, die Klemms „Geschichte der Sammlungen"^ mit Jahreszahlangibt, kommen auf die Zeit vom Ausgang des 17. Jahrhunderts biszum Jahre 1739 73 Bibliotheken, und davon entfallen zehn (13"/„) aufden Süden und Westen. Von Norddeutschland gingen jetzt die politischenJournale und die gelehrten Zeitschriften aus: die Schweiz und ganz be-sonders das lutherische Norddeutschland und Frankfurt a. M. waren dasHauptgebiet der Entwickelung und Pflege der moralischen Wochenschriftenund der Jntelligenzblätter; die Centren des litterarischen Lebens Nord-deutschlands waren die Stätten der Entstehung und der Hauptpflege derLexika; ebenso wie hier das erste Beispiel einer bewußt und systematischgeübten billigen Massenproduktion edelster Volkslitteratur gegeben wurde;Leibniz und Thomasius sind es, in deren Persönlichkeiten sich die Aus-breitung deutschen Geisteslebens in volkssprachlichen Druckschriften ver-körpert; ein norddeutsch-protestantisches Gebirge ist es, das wir in derFerne, in dem großen halben Jahrhundert von 1740 bis 1790 empor-steigend, blauen sehen, und an dessen Fuße wir uns befinden.