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3. Kapitel: Der Buchhändler.
haben eine allgemeine Zunahme der Produktion, der Buchhandlungen,der Buchhandlungen in den einzelnen Städten; und dazu ein WachstumNorddeutschlands in allen diesen Punkten im Vergleich zu Süddeutsch-land . Man kann sagen, daß in diesem doppelten Umstand, in demsich im Spiegel der Buchhandelsgcschichte die politische und geistige Ent-wicklung Deutschlands überhaupt wiedergibt, das ganze Programm dergroßen Entwickelungszüge der Geschichte unseres Zeitraums vor uns liegt.Es ist die Wirkung einmal der allgemeinen Zunahme und Steigerung;zum andern die des Übergewichts des Nordens über den Süden aufdie Geschichte des Buchhandels zu verfolgen. Beides ist nicht reinzu scheiden; aber wir können im allgemeinen sagen, daß jenes in dernns hier beschäftigenden, dieses in der nächstfolgenden Periode von vor-herrschender Bedeutung ist.
Wir durften den Inhalt unseres vorigen Kapitels zusammenfassenin den Satz: das fortschrittliche littcrarische Leben Deutschlands wurdeintensiver, deutscher iunlateinischer und nationalsprachlichcrj, norddeutscher.Diese dreifach-einheitliche Entwicklung der geistig-litterarischen Geschichtespiegelt sich genau iu der buchhündlerischen wider. Auch der Buchhandelwird intensiver, nationaler und norddeutscher. Oder genauer: der Steige-ruug des geistig-littcrarischen Lebens entspricht es, daß der Buchhcmdclerstens lebendiger, berufsmäßiger und seßhafter, daß er zweitens (umeinen handlichen Ausdruck jener Zeit zu gebrauchen, dessen wir uns nochöfters bedienen werden) unmessentlichcr wird; der Nationalisierung undVernorddcutschuug des geistig-littcrarischen Lebens entspricht es, daß derBuchhandel Leipzigerischer wird; dem Zusammenwirken aller drei Er-scheinungen auf dem geistig-littcrarischen Gebiet entspricht es auf dembuchhündlerischen, daß Verlag und Sortiment, unter bcsondcrm Einflußder dritten Verschiebung, die ersten Anfänge einer Sonderung zu zeigenbeginnen, während Buchhandel und Buchdruck sich wieder mehr zu nähernsuchen.
Die Herrschaft des Gelehrten und der internationalen Beziehungenauf dem Büchermarkt, die Vorherrschaft der theologisch-religiösen Litte-ratur und der Mangel einer starken deutschen Allgemeinlittcratur, dieFortdauer der guten und schlechten Volks- und Hauslitteratur alten undältesten Schlags, die Vernachlässigung der Ausstattung: das gab derLitteratur wie dem Buchhandel den Charakter der Gleichmäßigkeit und