Ter dem litterarischen entsprechende buchhändlerische Fortschritt. Ter Tauschhändler. 89
Unvcrttndcrlichkeit; es gab dein Buchhandel einen gewissen einheitlich-gedämpften Ton brüderlich-läßlichen Gehabcns geringer Spannung. Jedergleichsam erzeugte und brauchte des andern Bücher; und das literarischeBedürfnis selbst zeigt noch einen altzeitlich-langsameren Pulöschlag. Daherdie feste Verbindung von Verlag und Sortiment, die Porherrschaft desTauschverkehrs, der persönliche Meßhandel, die Trennung von Buchhandelund Buchherstelluug. Es ist das der altzeitliche Rahmen oder der alt-zeitliche Untergrund der Buchhandelsgcschichte unseres Zeitraums, wie erdem altzeitlichcn Gepräge des Büchermarkts entspricht und entsprechenmußte.
Innerhalb dieses Rahmens aber ist der Buchhandel dem Gange dergeistig-littcrarischen Entwicklung darin gefolgt, daß der Büchcrvertriebsich erleichterte und vertiefte, der Stand des seßhaften Buchhändlers sichörtlich und beruflich festigte, der Buchhandel sich in Leipzig zentralisierte,der Verkehr außer der Messe und über den Mcßplatz sich ausgestalteteund endlich die Entwickelnng eines neuen reinen Verlags und einerueuen Vereinigung von Buchhandel und Buchdruck sich anbahnte.
Wir sind bei nnscrm Überblick über den Eharakter des Bücher-markts vom Bücherkäufer ausgegangen; wir müssen hier, wo wir vomBücherhaudel reden wollen, vom Büchcrhündlcr ausgehen.
Der reguläre Buchhändler damaliger Zeit, der meßfühige Buch-händler, ist der mit seinen gleichartigen Bernfsgcnossen im Tansch- oderEhangcvcrkchr stehende Verlegersortimcuter. Der Tauschhandel wurdeherrschend etwa mit dem Beginne der zweiten Hauptpcriode, zu Aus-gang des 16. Jahrhunderts. ^ Eine Alleinherrschaft, wie später der Geld-vcrkehr, hat er nicht geführt, erstens schon deshalb, weil es jederzeit diereinen und, wenn man so sagen darf, halbreincn Sortimente der kleinemBuchführcr gab. Der Hauptsitz des Tauschhandels war der Meßplatz,auf dem sich der innere Geschäftsverkehr der größcrn uud großen Buch-handlungen abspielte und die Lager gefüllt wurden, aus denen dann dieBücher im Bar-, Ncchnungs- oder Kommissionsverkehr in die mehr oderweniger kleinen Handlungen wcitergeleitct wurden. Der Debit, heißt esrichtig in einem Schriftchcn, das in der Mitte unseres Zeitraums er-schien, geschieht mehr durch Change als durch bar Geld, sonderlich inden Messen." Man muß zweitens vor Augen haben, daß sich in jene