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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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3. Kapitel: Der Buchhändler,

uns nun fremden Formen dieselben Inhalte kleideten, wie sie uns auchheute geläufig sind. Je sicherer» Boden der Verleger für sich und imEinzelfalle für sein Buch unter sich fühlte, und je vorsichtiger er dabeivcrfnhr, desto zurückhaltender war er in der Wahl seiner ständigen Ge-schäftsfreunde uud in seinen Bezugsbedingungen. Wir haben Briefean die Hallesche Waiscnhausbuchhaudlung aus dem zweiten Jahrzehntdes 18. Jahrhunderts, aus denen hervorgeht, >daß es durchaus uichtselbstverständlich war, mit einer so angesehenen Handlung in Change-kommissiousbezichungcn zu stehen; man erbot sich znr Rcchnungs-, sogarBarkommission und fragte nur an, ob wohl die Vergünstigung derChangekommission eingeräumt werden möchte. Eine Schrift über dieverschiedenen Stände der bürgerlichen Gesellschaft vom Jahre 1697 unter-scheidet drei Klassen von Buchhändlern. Die erste hat nur eigenen Ver-lag und handelt gegen bar, die zweite hat Verlag undso genanntessort-iwent" undvcrsticht" ihr Verlagsgut, die dritte pflegt Geld- undTauschhandel zugleich: sie gibt einige eigene Vcrlagsbüchcr nur gegenbar, andere versticht sie.^ Eine unlogische Einteilung allerdings, dennsie vermischt das Prinzip der Organisation mit der praktischen Ausübungder Gcschäftsgcbrnuchc im Einzelfalle. Bechers Politischer DiSknrs, 1668,unterscheidetVerleger" undBuchhändler". Der Verlegerhält" seinBuch entwedercontent,^ oder ersticht damit". Den meisten Handelthut ermit Stechen". Der Buchhändler verlegt gemeiniglich etwas,uämlich damit er nicht bar zahlen muß, souderu Material zum Steche»hat.4 Am wenigsten Eingang fand der Tauschhandel im Verkehr mitden Ausländern, namentlich mit den Holländern, deren Buchhandel da-mals dem unsrigen an Güte der Ausstattung so weit überlegen war undvermöge seines Handels mit in Deutschland stark begehrten Originalenund Nachdrucken besonders französischer Litteratur der Artikel des deutschenBuchhandels so wenig bedurfte; der Gesamtcharakter, den der Geschäfts-verkehr auf der Leipziger Messe zeigte, ist deshalb für die Entwickelnngdes deutschen Buchhandels bezeichnender, als der auf der Frankfurter.Nicht als wenn ein solcher Verkehr mit dem Auslände nicht bestandenhätte. Das Hallesche Waisenhaus, in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahr-hunderts, changierte auf der Leipziger Messe nicht nur z. B. mit Kopen-hagener Firmen, sondern auch sein lebhafter Verkehr mit Holland wickeltesich teilweise in der Form des Tauschgeschäfts ab°; und auch in Frank-