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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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3, Kapitel: Der Buchhändler.

kleinern Orten hatten die Buchbinder den diesbezüglichen örtlichen Be-darf seit dem 16. Jahrhundert thatsnchlich in Händen, und auch dasRecht dazu auf die gebundenen Schulbücher im cngcrn Sinne unddiekleine Gattung" stand ihnen überall zu. Es ist endlich weiterdeutlich, daß auf günstigem Boden, der vom seßhaften reinen Buchhandelnoch nicht bestellt wurde, der Buchbinder den Sortimcntshandel über-haupt an sich ziehen konnte. Nicht nur in den Außenwerken der (rsringnialittei'aw, wie in Laibach, wo in den sechziger Jahren des 17. Jahr-hunderts der Buchbinder -Buchhändler Georg Schaffer vornehmen Bücher-liebhabern die wertvollsten Werke verschaffte und sie selbst einband, da-neben in seinem Laden Papier , Pergament, spanisches Wachs, Federn,Spagat, Tinte, dazu Lichtputzcn und Lostafeln (zum Tombolaspiel) feil-haltend^; sondern auch überall sonst in Deutschland . Und auch mitdergleichen Kleinkram scheint gerade das Buchbindcrgewerbe überall mitVorliebe verbunden gewesen zu sein; wir hören von den KönigsbergerBuchbinder» des ausgehenden 16. Jahrhunderts, daß sie außer den beidenBuchgewerben und sonstiger Papparbeit auch Handel mit Seidenwaren,Leinengewebc, Pulver, Hökerwcrk u. dcrgl. trieben.^ Es war dieBuch-binderei, Buch- und Papierhandlung", wie wir sie noch heute aus kleinenOrtschaften und den Vororten der Großstädte kennen, und sie hatte auchim wesentlichen dieselbe Existenzgrundlage. Noch im Jahre 1669 sagtenin Frankfurt die niederländischen Buchhändler, man finde auf Reisen oftzehn Städtlein nacheinander, wo kein Buchhändler sei, sondern nur Buch-drucker und Buchbinder wohnten, und die deutschen, daß an diesen vielenOrten sich wegen geringen Verdienstes kein Buchhändler halten könnte."Es ist das zugleich gesprochen vom Standpunkt des seßhaften Buchhänd-lers der Mittlern Zeit, der, an den Großbetrieb des organisierten Meß-handcls angeschlossen, den Wandervcrtrieb immer mehr aufgab. Auchdiesen Buchbindern genügte der Absatz am Orte nicht; sie gehörten des-halb großenteils zu jenen kleinern Existenzen, für die der Vertrieb imUmherziehen noch eine viel größere Bedeutung hattet" Als Vertriebs-werkzeugc ihres Verlags und Sortiments aber nach Gegenden und Schich-ten, die ihnen selbst sonst oft genug nicht erreichbar gewesen wären, warensie den Buchhändlern hochwillkommen; die Außenstände Jacob Apels inLeipzig , 1620, bestanden zu vier Fünfteln in Summen, die ihm Buch-binder für von ihm bezogene Bücher schuldeten.^ Der Buchhandel der

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