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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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3. Kapitel: Der Buchhändler.

Johann Thannenbaum in München , der sich dabei am meisten aufregte,schrieb, das ganze Römische Reich sei von Buchbindern erfüllt,dieBücher führen, sowol gebunden als ungebunden", und erinnerte dazu anBuchbinder in Hamburg, Lübeck, Danzig, Breslau, Wien und Prag , anHans Stern in Lüneburg, Sigismund Freysinger in Regensburg undAdamEudler" in Nürnberg; und Bürgermeister und Rat von München bezeugen:das die alhicßigc Bucchbündtcr neben ihrer eingebundenenArbcith auch die vneingebundene Bücchcr ye vnd alzeith fail gehabt."^Nehmen wir diese Zeugnisse, von dem letzten abgesehen, als das, wassie sind: sie sind im Buchbindcrintcressc abgegeben, sehr allgemein ge-halten und im Einzelnen unrichtig: Peter Hendel in Königsberg, der alsBuchbinder-Buchhändler aufgeführt wird, hatte von Anfang an mit denBuchbindern gerade die erbittertsten Kämpfe zu führen, und der Nürn-berger Rat hatte im Jahre 1633 den Buchbinderndas Handeln mitBüchern mit gewießer mas (nämlich mit Beschränkung auf die Markt-zeiten) gantz abgeschnitten".°° Es sind Zeugnisse nicht für besonderegesetzlich geregelte Verhältnisse, sondern für allgemeine thatsüchlich herr-schende Zustünde, gegen die der sich nun deutlicher entwickelndefreieBuchhandel" gerade jetzt erst sich kräftiger zu wehren begann.

Die Buchbinder verlegten auch. Nicht nur Georg Endter d. Ä., anden oben Solin erinnerte, auch Christoph Plantin (15141589) undLudwig Elzcvier (15401617) waren ja aus dem Buchbinderhandwerkhervorgegangen, ebenso z. B. Johann Francke in Magdeburg (1547 1625).Schau er Buchfürer in dem gantzen Römischen Reich ",ruft erregt Johann Thannenbaum in dem oben angeführten Schreiben,,,waß vor Buchbinder vorhanden sein, die die Bücher führen, sowol ge-bunden als ungebunden, auch drucken lassen vnd verlegen, schau er mirden Hanß Stern von Linneborg, zu Regcnspurg den Siegismundt Frey-singer, obs nit Bnchbinder sein vnd mehr dergleichen, schau er den AdamEndler in Nürnberg , was er für Bücherwerk führe!" Bei Gelegenheitder obengenannten Umfrage schickten Bürgermeister und Rat zu Ulm einen Bericht der dortigen Buchführcr und Buchdrucker, in dem es heißt:daß keinem Buchbinder so wol hier alß andern ortten: Tübingen, Nürn-berg, Straßbnrg, Wien, Prag etc. vcrwcrth sehe, den Buchhandel auchuebcn seinem Buchbinder-Handtwerck zuc haben, wann nur der Verlagvorhanden sehe." Der Züricher Rat verbot im Jahre 1660 Buch-