Der Buchbinder als Buchhändler.
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führern, Buchbindern u. s. w. auswärts drucken zu lassen.^ In Ulm 1698 der Antrag eines Buchdruckers, den Buchbindern den Verlag zuverbieten; in Zürich 1700 ein an den Buchbinder Lindinger gerichtetesDruckverbot.^ Im allgemeinen kam in erster Linie der Verlag derkleinen Gattung in Betracht; es ist begreiflich, daß der Buchbinder soauf diesem seinem Gebiete sich unabhängiger zu machen suchte. SolcheBuchbinder-Verleger treffen wir sogar in Leipzig . Eine noch viel be-deutendere Rolle spielte der Buchbinder als Buchhändler und Verlegerin Ländern wie Mecklenburg (Ausgang des 16. und 17. Jahrhunderts) °°oder Westfalen (17. und 18. Jahrhundert)""; bedeutender in ihrerbesonder» Buchbinder-Buchhändler-Rolle als fast völliger Ersatz desreinen Buchhandels, nicht als Buchhändler und Verleger überhaupt; inLeipzig gerade sind aus ihnen die ersten und bedeutendsten Buchhändlerhervorgegangen, so die Familie Clement im 15. und 16. Jahrhundert.^Im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts war der Buchbinder CasparLunitz, der auch als Verleger einen Namen hatte, der bedeutendstePapicrhändler Leipzigs.^
Und so baute sich über dem Buchbindcrsortimcntshandcl mit gebun-denen Büchern und kleiner Gattung mehr oder weniger ausgesprocheneine Art vollen Buchhandels der Buchbinder auf. In manchen Fällenkann man aus den Bezeichnungen, die sie sich selbst geben oder die ihnengegeben wcrdeu, das Heranwachsen des Buchbinders zum Buchführeroder gar Verleger verfolgen. Werner Lange in Güstrow war von Hauseaus Buchbinder ; auf dem von ihm verlegten Katechismus des HerzogsUlrich (1594) nennt er sich Buchbinder und Buchhändler; im herzog-lichen Privileg vom Jahre 1605 (28. Dez.) heißt er nur noch Buch-sührcr.°2 Peter Roscnbüchler in Braunsberg, der bis zum Jahre 1697auch die Druckerei besaß (sie wurde dann vom Jcsuitcnkollcg angekauft),heißt 1697 Buchbinder (didlioMe^us), 1700 Kaufmann und Bürger,1707 Buchhändler und Kaufmann (didlmxolü et lnerea-wi), und 1719erhielt seine Wittwc das Monopol auf Buchhandel und Buchbindereiim ganzen Bistum erneuert.War mit dem weitverbreitete» Doppcl-geschäst des Buchbinders und Buchfiihrers der Besitz einer privilegiertenDruckerei verbunden, so war, vom Buchbiudergewcrbe ausgehend, dieVereinigung der drei Hauptzweige vollständig. Lorenz Segebadc, gelernterBuchbinder, der im Jahre 1620 die monopolisierte Druckerei in Königs-