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3. Kapitel: Der Buchhändler.
bcrg erhielt, unterschrieb sich: „Buchdrucker, Binder und Händler".^In der That war in diesem Zeitalter gewerblicher Abgrenzung die Er-scheinung, daß auf der Grundlage des Buchbiudcrhandwcrks und derBuchdruckerkunst alle Zweige unter einheitlicher Leitung ein einzigesGeschäft bildeten, in den Kreisen der regulierten kleineren Proviuzial-handlungen keine seltene. Fälle, wie die der spätern Joh. KöselschenBuchhandlung in Kempten die 1593 vom Fürstabt von Kempten ,Erhard Blarer v. Wartensce, gegründet wurde, und dereu Faktorc dieVerwaltung der fürstlichen Buchdruckern, Buch- uud Papierhandlungund Papiermühle hatten, wofür sie jährlich Rechnung ablegten (dieseGestaltung bis zur Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts),sind dafür weiter bezeichnend. — In einigen Orten ist der Buchbinderdem Buchhändler offiziell gleichgestellt worden. So verbot der Ulmer Ratnicht nur den Buchbindern 1613 den ferner» Vertrieb der TraktätleinJohann Faulhabcrs, des „Modisten" ^Schönschrcibcrs), sondern 1655publizierte er ein Dekret wegen Schmähschriften nicht nur den Buch-druckern und Buchhändlern, sondern auch den Buchbindern. °° In Leipzig griffen einzelne Buchbinder uach der Mitte des 16. Jahrhunderts auch alsKommissiousvcrtreiber von zun? Teil bei ihnen selbst lagernden Büchernauswärtiger Buchhändler, ja als eigentliche Kommissionäre in das buch-händlcrischc Geschäftsgetriebc ein.^ Gerade das erstere — daß die Buch-binder auch rohe Bücher vertrieben, „Darunter doch zu weilen der mchrerthcill, nicht ihr eigen, sondern frembder Buchführcr, Welche dan von ihnen,vnttcr ihrer Burger Rechtt, dcu frcmbden zu gute vorkaufft, vndt di8t,i'a-Iiii'öl." wurden — war einer der Hauptgründe der Beschwerden derLeipziger Buchhändler zu Ende des 16. Jahrhunderts. Heben wir endlichnoch einen Punkt hervor, der für die Entwicklungsgeschichte der buch-händlcrischcn Geschäftszweige von Bedeutung ist. Je kräftiger sich dieBuchbinder neben ihrem Handwerk, oder vielmehr ihrer Kunst, auf denHandel mit gebundenen Büchern legten, desto mehr stellte ihr Geschäfteine Vorstufe des spätern buchhändlcrischcn Antiquariawhandcls dar. Estritt das schon im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts, z. B. bei PeterElement d. Ä. in Leipzig hervor. Bei der Schützung von Bibliothekenwirkten sie in Gemeinschaft mit Buchhändlern als Taxatoren.^ DieSpczialbeschäftiguug mit alten Büchern machte sie zu Sachverständigen ausdem Büchermarkt; die Bestellung des Angsburgers Jakob Krause zum
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