Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
137
Einzelbild herunterladen
 
  

Frankfurts Verlagsproduktion uud Büchcrmcsse nach 1648.

137

nur das herausgreifen, was sie von den übrigen in eigentümlicher Weiseunterscheidet, wahrend sich in Wirklichkeit die vier Gebiete in mannig-faltigerer Weise mischen. Ohne Nutzen ist der Hinweis auf eine solche,beide Kapitel verbindende und abschließende Nebcneinandcrstcllung trotzdemnicht. Es ist so, daß man sich die Versorgung des io mannigfach ge-färbten und abgestuften litterarischen Bedürfnisses über ganz Deutschland hin, über Stadt und Land am besten mit einem Blicke vergegenwärtigt.

Und nun greifen wir, unfern Gedankengang weiter verfolgend, einedieser vier Gruppen heraus: den deutschen Buchhändler als meßfühigenVcrlegersortimentcr. Und wir verfolgen die Entwickclung seiner Hcmdels-thätigkeit. Es ist die Büchermesse, und zwar, wie sich gezeigt hat, dieLeipziger Büchermcssc, die hier im Mittelpunkte steht, und von der wirdeshalb auszugehen haben; sie steht im Mittelpunkte in doppelter Be-ziehung: als Meßplatz und als norddeutscher Meßplatz.

Frankfurt galt noch nach dem Dreißigjährigen Kriege als erste Buch-handels- und Druckerstadt ^ Deutschlands . Die Druckereien nahmenstattlich und merklich" zu^. Die Verlagsproduktion übertraf die Leipzigerganz bedeutend. Stand sie ihr vom Jahre 1604 an (mit Ausnahme derJahre 1618, 1619 und 1621) bis zum Jahre 1640 nach, so ver-zeichnen die Meßkataloge in den Jahren 16411648 für Frankfurt 1211,für Leipzig nur 421, in den Jahren 16491660 für Frankfurt 1272,für Leipzig nur 417 Artikel. Freilich muß man dabei das Augen-merk weniger auf die Höhe der Frankfurter als auf die Niedrigkeit derLeipziger Ziffern richten, und es ist zu beachten, daß innerhalb desrelativ hohen Frankfurter Niveaus dieser Jahre sich eine beständigeAbnahme zeigt. Die höchsten Ziffern zeigen die Jahre 16431646.Während diese vier Jahre einen Jahresdurchschnitt von 186 Artikelnergeben, liefern die letzten vier Jahre (16571660) nur noch einensolchen von 85. Aber wichtiger als der Frankfurter Platzbuchhandelist in diesem Zusammenhange die Frankfurter Messe , und gerade sieerfreute sich starken Zuspruchs und des hervorragendsten Ansehens.An die Zeiten des Stcphanus freilich dürfen wir nicht mehr denken.Immerhin standen zu Beginn der siebziger Jahre ^ fünfzehn nieder-ländische Firmen (acht aus Amsterdam , sechs aus den übrigen Gcneral-staaten, eine Firma aus Antwerpen) mit der Frankfurter Messe in regel-mäßiger Verbindung; außer ihnen von ausländischen Firmen allerdings