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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Preßpolizei unter Herzog Georg.

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unmittelbar und mittelbar im ganzen zu verdanken hat. Wir entsinnenuns der Schilderung der Preßpolizei Herzog Georgs von 1519 ab biszu seinem Tode (1539)^ und ihrer Wirkungen auf den Leipziger Buch-handel.^ Wolfgang Stöckel, der Leipziger Buchdrucker und Buchhändler,schrieb 1524:Weichs man gerne koufft, vnd darnach die frage ist,müssen sie nit haben noch vorkaufscn, was sie aber mit großen housfcnbey sich liegen haben ^Wolfgang Stocket hatte z. B. selbst die SchriftenHieronymus Emsers gegen Luthers Neues Testament gedruckt oder druckenmüssen^ dasselbig bcgcrt nymandts, vnd wenn sie es auch vmb sustgeben Wolter?, vnd wicwol sye sich E. f. g. gcbots hierinnen gehorsamlichbißhcre gehalten, so drucken es doch andere zu Wirteuberg, Zwickau ,Grymme, Eylcnberg, Jhene vnd an andern vmbligendcn ortern, vndwerde dannoch heymlich vnder dye leuttc geschoben, dadurch yne der-selbigc genieß entzogen vnd srcmbden die es gerne annehmen zugewandt,dcrhalben die drucker, setzer vnd andere yro dimer, der» sich vile diesesHandels bißhere alhir ernehrct, in grundt vertcrbcn vnd mit yren kindernnot lcyden. Also das auch ctzlichc gedrungen, vmbs tagelon aufs dernmwcr zu arbeiten vndt wirdct also der Buchhandel dardurchgar von hynncn gewandt" (die gesperrt gedruckten Worte vom Rateselbst angestrichen). Die Lähmung des aufblühenden Leipziger Buch-handels war zugleich eine solche der aufstrebenden Leipziger Büchcrmesse.Ihr besonderer Bezirk war ganz überwiegend protestantisch gefärbt. Dazuwurden die Auswärtigen unmittelbar betroffen. Im Jahre 1528 wurdenwegen Vertriebs reformatorischcr Schriften die stehenden Kommanditender drei Wittcubergcr Christoph Schramm, Barchel Voigt und Moritz Goltz geschlossen. Der Leipziger Rat hemmte, in der Furcht seines Herrn,den fremden Durchgangsverkehr Lutherischer und Zwinglischer Littcrarur(Ncujahrsmesse 1531).

Der persönliche Meßbcsuch ging zurück. Von der Michnelismcssc 'des Jahres 1532 heißt es noch, daß sie von Baseler, Frankfurter undandern auslcndischcn" Buchführern besucht war, aber WolfPräunlein in Augsburg, der die Leipziger Märkte bis zum Jahre1537 ziemlich regelmäßig besuchte, war einer der letzten nach undnach ausbleibenden süd- und westdeutschen Meßbesucher'^. Das Kom-missionärverhältniö Leipziger Firmen zu auswärtigen Buchführcrn lockerteund löste sich.

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