148 ^- Kapitel: Tic Entwicklung dcrLeipziger Bücherincssc bis zum 30jähr. Kriege.
Die Wendung in dcr kirchcnpolitischcn Richtung dcr Regierung tratmit dem Tode Herzog Georgs, dem Regierungsantritt Heinrichs desFrommen ein, 1539. Der Leipziger Buchhandel zeichnete auf die end-liche Wicderfrcigabe dcr evangelischen Litteratur zunächst mit einer über-stürzten Betriebsamkeit, die zu eiuer wahren Schwindel- und Gründer-Periode führte.^ Mit den fünfziger Jahren setzt die gesunde und solideWeiterentwickclung des Leipziger Buchhandels ein. Sie bezeichnen un-gefähr den Beginn der Wirkungszeit Andreas Heils und Conrad Königs(beide seit 1546), von Lorenz Finckelthaus (seit 1555), Jacob Apel d. Ä.(seit 1559) und Ernst Vögelin (seit 1564), der Männer, durch die dieLeipziger Verlagsthätigkeit einen ganz neuen Aufschwung erhielt; einenAufschwung, der von Dauer war, wie schon die Geschichte dieser Firmenselbst zeigt. Denn ging auch die Vögclinschc Handlung, äußern gewalt-samen Eingriffen erliegend, zu Beginn des folgenden Jahrhunderts ein:aus dem Königschen Geschäfte erblühte dasjenige von Henning Große,das bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts hinein eine hoheStellung eingenommen hat, aus demjenigen von Andreas Heil dasBartel Boigtsche, das längere Zeit dem Großeschen ebenbürtig war, auseinem Nebenzweigc des Apclschcn Geschäfts erwuchs durch Plcisner-Kirchner das Thomas Schürcrschc, das bis in die zweite Hälfte des17. Jahrhunderts von hervorragender Bedeutung für den deutschen Buch-handel blieb.
Leipzig knüpfte in seiner Messe die Fäden, die es früher angesponnenhatte, fester, knüpfte sie neu, soweit sie zerrissen waren; und mochte auchdie Solidität und Sicherheit des Geschäftsbetriebs, und besonders indcr Leipziger Sphäre, die sich in unwegsamen Gegenden Prcnßens, Polens nnd Ungarns verlor, großenteils eine geringere sein als in späternZeiten: die Leipziger Büchermcssc schritt in ihrer Entwickclung so rüstigvorwärts, daß sie dcr Frankfurter, von deren Überlegenheit hinsichtlichder ausländischen Verbindungen abgesehen, bald ebenbürtig war.
Dcr Geschäftsbezirk des Leipziger Buchhandels uud dcr LeipzigerBüchermesse in der zweiten Hälfte des 16., den beiden ersten Jahr-zehnten des 17. Jahrhunderts zeigt dem der ersten Jahrzehnte des16. Jahrhunderts gegenüber im ganzen gewisse Unterschiede. Deninnersten Kreis bildet das sächsisch-thüringische Gebiet, ausstrahlend überBrandenburg nach Mecklenburg, über die Harzstädte nach Hannover und