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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Wiedcraufschwung seit 1550. Geschäftsbezirk 15501618.

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Westfalen. Die stärkste Erweiterung aber fand, in kräftiger Weiter-entwicklung der Richtung, die wir schon in den ersten Jahrzehnten des16. Jahrhunderts bemerken konnten, nach dem Osten zu statt. Die öst-lichen Landschaften bezeichneten die Leipziger Buchhändler im Jahre 1600gewissermaßen als ihren Herrschaftsbereich; vom Osten her erhielt dieLeipziger Büchcrmesse ihren stärksten Besuch. Der Leipziger Buchhandelversorgte den kleineren schleichen Buchführer in Glatz, in Licgnitz, inLiebctau. Der Kdnigsbcrger Buchdrucker und Buchführer Hans Daubmann (15451573) war ein fast regelmäßiger Besucher der Leipziger Messen.Die Außenstände von Franz Clements Erben in den fünfziger Jahrenweisen besonders nach Schlesien, Polen, Preußen und Böhmen ; im Jahre1556 hatten sie über 1400 Gulden in Bautzen und Krakau ausstehen; undunter den bekümmerte» Meßfremden dieser zweiten Hälfte des 16. Jahr-hunderts begegnet ein ungarischer Buchführcr aus Zips. Unter denacht Buchhändlern ^Buchführern, Buchbindern), die der Leipziger Buch-binder und Buchführer Christoph Birck in den Jahren 1555 bis 1577bekümmerte, sind je einer aus Dresden, Jena, Greifswald , Ncnbranden-burg, Liegnitz und Prag, zwei aus Nürnberg . Nach den drei Studenten-rcgistern (Kundcnstrazzen) des Verlcgcrsortimentcrs Jacob Apel d. I.(l 1620) von den Jahren 1592, 1600 und 1608, die der Aufnahmedes Aktiv-Status seines Geschäfts im Jahre 1620 u. a. zu Grundegelegt wurden, betrug die Zahl der schuldenden Kunden rund 370,und sie verteilten sich zunächst ans Sachsen und Thüringen , sodannauf die Harzstüdte, Prag und Breslau , endlich Thorn und Preußen.Seine Buchhändlerrcgister, von den Jahren 1592 und 1610, zeigen127 Schuldner. Ihre Hauptmasse, über die Hälfte, sitzt in Sachsenund Thüringen; sechs Schuldner sind aus Braunschwcig und Hannover ,vier aus Brandenburg, einer ist aus Mecklenburg ; acht sind aus Preußeu,neun aus Schlesien, zehn aus Böhmen und Mähren ; nnr sechs vonallen 127 Debitoren sind aus Süddeutschland, aber besonders aus der-jenigen Gegend, die schon immer speziell zur Leipziger Sphäre gehörthatte: drei aus Nürnberg , zwei aus der Obcrpsatz, dazu einer ausRegcnöburg.

Die Beziehungen des süd- und westdeutschen Großbuchhandcls zurLeipziger Messe erscheinen danach zu Ende des 16. Jahrhunderts alssehr dürftig; die Anziehungskraft der Leipziger Messe reichte, im Unter-