156 4,Kapitel: DieEntwickelungderLeipzigerBüchermessebiszum30jähr.Kriege.
Diese allgemeinen, für die Gcsamtgebictc. typischen Züge sind es, diewir festzuhalten haben. Daß, von diesem relativen Verhältnis abgesehen,absolut genommen die fremde Litteratur für Leipzig und seine Messe ihreRolle und ihre bedeutsame Rolle spielte, ist selbstverständlich. So mancheMitteilungen über Lagcrbcstünde des Vögclinschen Geschäfts aus spätererZeit beweisen, daß namentlich die ältere, schwere wissenschaftliche Litte-ratur des Auslands in ungewöhnlichem Grade unter ihnen vertreten war.
Was die direkten Beziehungen außerdeutschcr Buchhändler zu Leipzig betrifft, so treten zunächst in den fünfziger Jahren zwei französische Buch-händler als Mcßfremde auf. Der eine, Baudouin aus Lyon , hattesogar ein ständiges Lager in Leipzig , ja im Jahre 1559 gelang es ihm,gegen den Protest der Leipziger , sich in der Meßstadt dauernd nieder-zulassen. Im Jahre 1577 tritt eine Frau Catharina Podowoin auf,die möglicherweise seine Wittwe ist.
Pietro Valgrisi aus Benedig — seine Familie stammte ebenfalls ausLyon — kommt als Meßfremder (schon damals mit einer Leipzigerinverheiratet) seit dem Jahre 1560 vor, und er hielt damals schonLager in Leipzig ; ihm gelang es sogar, im Jahre 1564 als LidUopola.das Bürgerrecht zu erlangen, das Baudouin nicht erteilt worden war.Der Schwerpunkt des Geschäfts und seine Hauptvorräte lagen aller-dings in Frankfurt a. M. Auch sein Geschäft hat nicht Wurzel fassenkönnen. Als er, spätestens im Jahre 1580, starb, ging eben erst unterschweren Kosten- und Zinsverlusten ein Prozeß mit einer TyrolerSpeditionsfirma, der er stark verschuldet war, zu Ende, hatte er seinebeiden Häuser verkaufen müssen, war das Frankfurter Geschüft auf-gegeben; es wurde von seinem ehemaligen Diener selbständig geleitet,möglicherweise sogar unter eigenem Namen.
Außer den Genannten sind noch in den siebziger Jahren ein fran-zösischer Diener des jedenfalls Deutschland mit einein Wanderlager be-reisenden Buchhändlers Rene Postclicr aus Lyon (1573) und derBuchführer Peter Daventhesius (Davantes, Daffentes), der als(Gallus und das eine mal als von „Leon in Frankreich " gebürtig,das andere mal als Bürger von „Bresscl" bezeichnet wird (1573,1574) nachweisbar. Ob „Otto vonn Hornn der frantzoßische buechhendler" Meßfrcmder oder nur Buchhandlungsdiencr war, muß dahin-gestellt bleiben.