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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
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Internationaler Verkehr. Wachstum des Koinmissionswescns. 157

Der Leipziger Buchhändler, der am engsten mit diesem internationalenVerkehr der fünfziger bis siebziger Jahre verflochten war, war LorenzFinckelthaus. In seinem Hause hatte Valgrisi den Leipziger Teil seinesfremdländischen Lagers stehen; Finckelthaus war selbst nach Verkauf seinerHandlung an Vögclin noch Bcfehlhaber (Kommissionär) von Nene Postclier.Auch Peter Davcnthesius benutzte in der Ncujahrsmcsse 1574 ein Ge-wölbe bei Finckelthaus; wenn hier die weitern Beziehungen auch nichtganz klar sind, so müssen doch irgend welche außer dem Mietsvcrhttltnisvorhanden gewesen sein: sonst würde Finckelthaus kaum die bedeutendeBürgschaft von 500 Gulden für ihn übernommen haben. Unter denSkripturen des Finckelthausschen Nachlaß-Inventars endlich findet sichdie Position:Ein (.'onnolut eines Französischen Buchhändlers Rcgiester,in Mio zusammengebunden."

Die Bedeutung Vögelins für die ausländische Littcratur ist schonerwähnt worden. Frankreich, und noch kurz vor seiner Flucht aus Leipzig Italien hat er persönlich bereist.

Gerade mit dem Jahre 1564 brechen die Versuche ausländischerBuchhändler, in Leipzig Fuß zu fassen, ab, und mit dem Jahre 1580 hörtder Besuch der Leipziger Messen durch Nichtdeutschc überhaupt aus: indem langen Zeitraum von 1580 bis um 1690 zeigen sich keine Spurendavon.

Die stündigen Lager und die Kommissionärvcrhältnissc^^, die uns beiden Beziehungen zum ausländischen Buchhandel entgegentraten, sind nichtdie einzigen in dieser Zeit. Im Gegenteil ist gerade der erneute Auf-schwung des ständigen Lager- und des Koinmissionswescns eine weitereSeite der fortschreitenden Entwickclung der Leipziger Messe seit denfünfziger Jahren. Bedeutende Niederlagen hatten z. B. die Wittenberge Bartel Vogel (f 1569) und Christoph Schramm «um 1570); es be-gegnen ferner z. B. Bücherlagcr Magdeburger (1552), Königsberger (seit1556), Erfurter «Anfang 17. Jahrh.) und anderer auswärtiger Buch-händler. Diese Lager bestanden nicht nur aus eigenen Büchern, sondernzum Teil auch aus Kommissionsgut. Einige der Kommissionärvcrhält-nisse zeigen eine jener Gestaltungen des Kommissionöwesens, wie wir sieoben kennen gelernt haben; Johann Apcl hielt, ehe es Clemens Baudouingelang, sich in Leipzig festzusetzen, unter seinem, Apels, Bürgerrecht denVerlag und überhaupt Wohl das Lager Baudouins in offenem Laden