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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Ebenbürtigkeit der Frankfurter und Leipziger Bücherinesse.

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gestiegen zu sein. 1569 wurde die regelmäßige Beaufsichtigung desMeßvcrkehrs befohlen: regelmäßig sollte vor Eröffnung der Buchlüdennach den unleidlichen Büchern geforscht werden.

Daß die förmliche Begründung einer ständigen ordentlichen Ceusur-behörde und die grundsätzliche Betrauung besonders des Rats mit derAufsicht über den Büchervertrieb namentlich zu Mcßzciten in der Preß-aufsicht Stetigkeit und eine größere Rücksichtnahme auf den auswärtigenMeßbcsuch herbeigeführt Hütte, werden wir nicht erwarten; um so weniger,wenn wir uns erinnern, daß sich ein Jahrfünft nach jenem Begründungsjahre die erste Flut der kryptocalvinistischcn Wirren heranwülzte:jene Flut, die, wie Melnnchthons Schwiegersohn, den kurfürstlichenLeibarzt Dr. Kaspar Peucer, so auch den Verleger von MelcmchthonsLorpus (Iveti'inas und seiner Schulbücher, Ernst Vögelin, mit sich riß.^Einen Einfluß nachteiligen Charakters auf die Entwickclung der Leip-ziger Bücherinesse aber haben diese Dingenicht gehabt. Im letztenJahrzehnt des 16. Jahrhunderts sehen wir den Baum der LeipzigerBücherinesse Früchte ansetzen, die sich nur als Ergebnis kräftig fort-schreitenden Wachtums bildeu konnten. In Leipzig das Erwachen ge-steigerten Bewußtseins, des Bewußtseins einer ebenbürtigen Konkurrcnz-stellung der Leipziger zur Frankfurter Messe : die Begründung desLeipziger Meßkatalogs; im Frankfurter Meßbezirk eine thatsüchliche An-erkennung und Besicgclung solcher Ebenbürtigkeit: die Entstehung derLeipziger Mcßprivilcgien, ausgehend von süddeutschem Anstoß.

Daß der Leipziger Großbuchhandel selbst der oben bezeichneten Ab-hängigkeit von der Frankfurter Messe sich unmittelbar hätte entziehenkönnen, daran war nicht zu denken. Barkel Vogel in Wittenberg schrieb1538 bezeichnend von allen seinen Büchern, die erzu Leipzig , zuFrankfurt , aufm Wege, daheim und in den Druckereien" Hube."" Undso heißt es auch von allen großen Leipziger Verlegern des endenden 16.und beginnenden 17. Jahrhunderts, daß sie ihren Buchhandelin Leipzig und Frankfurt" führten. In Frankfurt lagerte ein großer Teil ihrerVerlugSvorrüte; von hier aus hatte man den besonders für den wissenschaftlichen Verlag wichtigen Verkehr mit dem Auslande in der Hand;und wie Bartel Vogel in der Rcformationszeit, so spricht SamuelScelfisch im Jahre 1614 von seinenBuchladcn und Hündeln zueWittenberg !, Leipzigk und Franckfurt am Mahn". Der geschichtliche

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