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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Der Leipziger Meßkcitalvg.

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den Buchhandel den Frankfurtern gutes Teils aus den Händen gewundenund in die sächsischen Lande transferiert; man erhole sich der Bücher,die man sonst zu Fraukfurt gesucht und gekauft habe, nun auch mehrallhier. Gleiches Verlangen auch unmittelbar seitens der Kunden. Wieandere Frankfurter Meßbcsuchcr Joh. Rühe! in Wittenberg brachteim Mai 1590 achtzehn Mcßtatalogc mit, während nur vier Schriftchcnseines damaligen Mcßcinkaufs eine höhere Ziffer aufweisen, so wurdeauch er von ihnen ersucht, ihuen Verzeichnisse der alle Messen neu aus-gehenden Bücher mitzuschicken. Um ihnen die Kosten träglicher zu machen,verfertigte Große 1594 aus den damals drei oder vierlci FrankfurtischenKatalogen einen. Große gab damals an, er ließe im Unterschied zuLambcrgs Leipziger Konkurrcnzkatalog und den Frankfurter Katalogennur wirklich erschienene Bücher einrücken; jede Frankfurter und LeipzigerMesse habe eine sonderliche Person, die studiert zu haben pflege, in allenBuchläden dieserhalb Erkundigung zu nehmen.

Henning Große ^ hat mit der Gründung seines Meßkatalogs fürLeipzig dasselbe gcthan, was die Messe zuvor Christian Egcnolphs Erbenfür Frankfurt versucht hatten: beide suchten ihren Mcßplatz von denAugsburgcr Verzeichnissen unabhängig zu machen. Nach dem Erlöschendes Willcrschen und der katholischen Meßkataloge, uud nachdem in Leipzig der Zwischenfall eines Wettbewerbs durch Abrah. Lambcrgs (sein Katalogvon Michaclismesse 1598 bis Michaelismesse 1619) überwunden war,herrschte an jeden: der beiden Mcßplätze ein einziger Meßkatalog. Währendaber Egenolphs Erben ihr Unternehmen andern zur Fortsetzung über-lassen mußten, und während der Frankfurter Katalog bald darauf zueiner abhängigen amtlichen Einrichtung wurde, blieb das Leipziger Unter-nehmen der freie Besitz einer inmitten der Bedürfnisse des Buchhandelsstehenden Buchhäudlerfamilic.

Die Großeschcn Verzeichnisse gehen zunächst lückenlos bis zum Zu-sammentreffen mit Lambcrg. Im folgenden Jahre ersetzte Große dieEinzclkataloge durch eine Zusammenfassung, deren Einzelkontinuatioucn thatsächlich Meßkataloge von Anfang 1600 (zunächst ungewöhnlichzur Neujahrsmcsse ausgegeben) bis Ostermcsse 1602 erhalten sind. Inden Jahren 1595, 1598 und 1600 enthalten die Großeschen Ver-zeichnisse der Ostermcsse zugleich die Bücher des Ncujahrmarkts. DieKataloge Michaclismesse 1602 und Ostermesse 1603 sind wegen des er-