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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Die deutsche Bücherproduktion 16101756.

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Das mittlere Drittel des Dreißigjährigen Kriegs bildet das Wellen-thal zwischen zwei Wellenbergen, von denen der eine sich im Jahre 1619erhebt. Erst im Jahre 1695, fast ein halbes Jahrhundert nach demWestsälischen Friedensschlüsse, beginnt die andere Welle überhaupt empor-zusteigen, um, wenn man die Verlagsproduktion nur der deutschen Orteins Auge faßt, erst (nach einer vereinzelten Erhebung in den vier Jahren17071710) im Jahre 1746, oder wenn man die in den Mcßkatalogenüberhaupt verzeichneten Artikel ins Auge faßt, im Jahre 1768 dieeinstige Höhe wieder zu erreichen.

Diese große, durch den Zeitraum von vier Mcnschenaltcrn sich hin-durchziehende Kurve, deren Gesamtverlauf so durch das Jahr 1619, dasJahrzehnt 16321641 und die Jahre 1695 und 1746 festgelegt wird,bezeichnet nicht eine Eigentümlichkeit der buchhändlerischen Entwickelung.Wie wir es in dem klaren Spiegel der Meßkataloge für seine litterarischeProduktion erblicken: so hat auch die Gesamtbcvölkerung Deutschlands erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts den Stand, den sie zu Beginndes großen Kriegs zeigte, wieder erreicht gehabt. Unsere zunächst reinquantitative Veränderungen und äußeres Wachstum zeichnende Kurveist aber zugleich das Bild einer ganzen Welt sachlicher Veränderungenund innern Wachstums. Und wie sie in jener Hinsicht nur einen Aus-schnitt aus der allgemeinen Geschichte Deutschlands zeichnet, so bedeutetauch dieses allgemeine Wachstum deutschen Lebens und Schaffens zugleichein solches des deutscheu Buchhandels. In seinen Mttelpunkt rückt nunLeipzig vollständig ein.

Der dritte große Aufschwung des Leipziger Buchhandels und derLeipziger Büchcrmcsse, vergleichbar dem ersten zu Beginn des 16., demzweiten im Ausgang des 16. und Beginn des 17. Jahrhunderts, voll-zog sich in engster Verbindung mit dem allgemeinen Aufschwünge derLeipziger Messe überhaupt, wie er mit den achtziger Jahren des17. Jahrhunderts offenbar wurde und zur Vorherrschaft der LeipzigerMesse über alle andern Reichsmessen führte, wie sie von etwa 1700bis 1850 bestanden hat.

Im Jahre 1680 begann die Regierungszeit Johann Georgs III., diedurch eine so außerordentliche Regsamkeit auf dem Gebiete der Gesetz-gebung ausgezeichnet ist, besonders für die Entwickelung und Kodifizierungdes Leipziger Handelsrechts und der Leipziger Meßvcrfassung von Wich-