Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
238
Einzelbild herunterladen
 

2Z8 5. Kapitel: Leipziger Büchermcsse bis zum klassischen Litteraturzeitalter.

süddeutschen Markt und Kommissionsplatz zu werden. Den Nord-deutschen konnte diese EntWickelung nur willkommen sein; sie mußten sichaber auch je länger je mehr fragen, wie lange sie sich unter solchenUmständen noch in Frankfurt schikanieren lassen sollten. Die Süd-deutschen dagegen verloren in der Frankfurter Messe die in ihrem Gebietegelegene Buchhandelscentrale Deutschlands.Frankfurter, Nürnberger und andere in denen Oberen Reichs Ereyßen geseßene," schreibt dieBücherkommission 1719,beklagen sich ohnedem, daß der sonsten zuFranckfnrt in tloi' gestandene Buchhandel gantz abnehme und von danncnnacher Leipzig gezogen werde." Dabei spricht zweifellos auch das fürdie gesunkene Bedeutung des Frankfurter Büchcrverkehrs und die Gering-fügigkeit des dortigen Umsatzes, daß die großen norddeutschen Hand-lungen dort nur durch ihre Diener vertreten waren. Von I. F. Glcditsch,Thom. Fritsch, Weidmann und Lanckischs Erben wissen wir, daß sie seitder Wende des 17. Jahrhunderts die Frankfurter Messe nicht mehr per-sonlich zu besuchen pflegten, ebenso z. B. von Elers, der den Bücher-vertrieb der Buchhandlung des Halleschcn Waisenhauses leitete obgleichdiese zu den norddeutschen Firmen gehörte, die die Verbindung mitFrankfurt am längsten und festesten aufrecht erhielten. Von Fritschheißt es 1704 sogar, daß erauch dermahlen keinen Buchladen" inFrankfurt habe. Als süddeutscher Büchermarkt war dabei Frankfurt nicht im Rückgang. Vier Jnsinuationsprotokolle aus dem dritten unddem Beginn des vierten Jahrzehnts geben folgendes Bild:

Unterschriften au

Frankfurter Jnsinuationsprotokollen:

Süddcutschland

Holland

Norddcutschland

1720

29

7

1725

47

2

6

1730

56

3

7

1732

60

4

10

1736

60

1

8

Je mehr sich aber die Klagen häuften, und jehartnäckiger" namentlichdie norddeutschen Buchhändler zu werden drohten, desto hartnäckiger wurdeauch der Reichshofrat im Drängen auf Einliefcrung der Pflichtexemplare.Vom Bücherkommissariat ging dieses Drängen, wie wir wissen, nichtaus; dafür hatte es andere, auf die Beherrschung des Meßkatalogs inpreßpolizeilicher Hinsicht gerichtete Absichten. Tief gekränkt meldet Höh-