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6. Kapitel: Der Buchhandel.
betrieb sowohl auf, als zwischen den Messen betrifft, im ganzen innerhalbder Grenzen unseres Zeitraums halten. Indessen kommt es uns daranfan, das buchhändlcrischc Geschäftswesen in den Hauptzügcn seiner mittcl-zeitlichcn Verfassung im Unterschiede zu dem der ncucrn Zeit, wie es inden letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts zum Durchbruch kommensollte, zu schildern. Wir handeln von dem allgemeinen Zuschnitt desBuchhandels zur Zeit des vorherrschenden Tauschvcrkehrö und persön-lichen Meßhandcls, wie er in seinen Gruudzügen bis um die Wendedes 18. Jahrhunderts bestehen blieb.
Der Büchcrbcdarf eines bestimmten Gebietes ist keine feste Größe,wie etwa sein Bedarf an Getreide. Der Bücherbedarf verschiedener Län-der selbst von gleicher littcrarischer Bedeutung und gleicher Gcsamtbildungder großen Masse kann ein verschiedener sein. Diese Verschiedenheit be-ruht nuu in erster Linie auf der Verschiedenheit der Grundsätze und dervon ihnen bestimmten Einrichtungen des bnchhändlerischen Verkehrs. Des-halb bestehen die eigentlichen Leistungen des Buchhandels als solchen, alsvolkswirtschaftlicher Erscheinung in dem, was er für die Erleichterungund Ausbreitung des litterarischcn Verkehrs bis in den fernsten Winkeldes Landes, bis über die Landcsgrenzcn hinaus leistet, gleichgültig, obund wieweit er etwa dabei mit Segen auch Unsegcn, und gleichvielin welcher Hinsicht, verbreite; das steht auf einem andern Blatte, undbeides darf nicht miteinander vermischt werden.
Im Mittelpunkte dieses Verkehrs stand die deutsche Büchermcssc.„Diese ganze Einrichtung des Tcutschen Buchhandels", sagte 1774 Püttcr,der Göttinger Rcchtshistoriker, der die Verhältnisse des Buchhandels sogründlich studiert hat, wie kaum ein deutscher Professor vor und nebenihm, nachdem er die Leipziger Messe als Centrum des deutschen Bücher-verkehrs geschildert hatte, „ist für das Publicum so bequem, als es nurmöglich ist, und als kein ander Land in Europa sich rühmen kann."!
Leipzig hatte drei Messen, die Oster-, Michaelis- und Neujahrsmessc,und alle drei hatten ursprünglich die Dauer von einer Woche. AmSonntag Jubilate, am ersten Sonntag nach Michaelis und am 27. De-zember — denn bis um 1700 rechnete man das neue Jahr von Weih-nachten ab, und der alte Anfangstermin wurde bis zum Jahre 1866beibehalten — wurden sie mittags um 12 Uhr vom Rathausturm auseingeläutet, acht Tage darauf zu derselben Stunde ausgeläutet.