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Die Lage der Neujahrsmesse, die keine Vorwoche hatte, und bei derdeshalb die Mcßreise in die Wcihnachtsfeicrtagc fiel, war allen Kauf-lcutcn unerfreulich und Bitten der Fremden um Verschiebung warennicht selten. Die Nürnberger schlugen 1665 die Verlegung des Meß-beginns auf Sonntag nach Dreikönig (9. Januar), die Augsburger uudBreslauer 1675 in Übereinstimmung mit den Kaufleuten Nürnbergs und Frankfurts a. M. auf Montag nach Hohneujahr, die Kauflcutevon fünf schleichen und niederlausitzcr Städten 1680 ebenfalls etwaauf Sonntag nach Dreikönig vor. Es ist nicht zu verwundern, daßdie Neujahrsmesse auch im Buchhandel die geringste Bedeutung besaß.Sic ist von jeher mehr ein Bücherjahrmarkt als eine Buchhändlermessegewesen, wiewohl der Fiskal seine amtliche Thütigkeit auch auf ihr bisins 18. Jahrhundert ausübte. Es ist bezeichnend, daß vom Jahre 170Zab in Leipzig auch Neujahrsmeßkataloge erschienen — weil, wie derMichaeliskatalog 1702 angibt, der Osterkatalog oft allzu stark werde,so daß oft manche Titel nicht aufgenommen werden könnten, uud weilauch in der Neujahrsmesse nicht wenig neue Bücher herauskämen —aber schon mit dem Jahre 1709 wieder eingingen.
Ihrer verschiedenen Bedeutung entsprach die verschiedene Dauer derNcujahrsmcssc einerseits, der Michaelis- und Ostcrmcsse andrerseits.Blieb jene auf die ursprünglichen acht Tage beschränkt, so wurden diesebesonders vom Großhandel im Anfangstermin immer weiter zurück-verlegt, vom Kleinhandel im Endtermin immer mehr vorgeschoben.Was das erstere betrifft, so begnügte sich der Großhandel bis zum Endedes 18. Jahrhunderts mit einer Erweiterung um eine, also mit demzweiten Sonntag nach Ostern (Miscricordias Domini) beginnende Woche,die sogenannte Böttcherwochc <^so genannt, weil von der Beschränkungdieser ersten Woche auf den Großhandel nur die Böttcher ausgenommenwaren). Andrerseits hatte sich schon vor 1500 in der mit Kantate, alsomit dem Ausläutcsountag beginnenden Woche für den Großhandel einZahltag eingebürgert; die ganze Woche erhielt danach den Namen Zahl-wochc und wurde dann auch dem Kleinhandel zugestanden.
Von Oster- und Michaelismcssc hatte die erstere die größere Be-deutung. Die Zahl der zu Ostern erscheinenden Neuigkeiten war größer;die Zahl der zu Ostern die Messe besuchenden Fremden war größer.
Die Zeit indessen, in der als Folge des zurückgehenden persönlichen
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