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6. Kapitel: Der Buchhandel.
Meßbücherhandcls die Ostermesse, nun als Abrcchnungsmessc, als einzigeMesse übrig blieb, liegt hier noch außerhalb unseres Gesichtskreises.
Frühzeitig machte sich das Herannahen der Messe bemcrklich. Daserste waren Mahnungen an diesen und jenen Autor, ja das Manuskriptbaldigst fertigzustellen. Denn daß der neue Artikel nicht nur zur Messeherauskam, sondern wirklich auf die Messe kam, war noch bis in diezweite Hälfte des 18. Jahrhunderts von außerordentlicher Bedeutung.Gerade deshalb u. a., meinte Becher 1668, sei der Verlag ein so gefähr-lich Geschäft, weil die Bücher so häufig nicht zur Messe fertig würden:denn dann blieben dem Verleger unwiderruflich ein ganzes halb Jahrdie Bücher auf dem Lager — und Kapital und Zinsen auf dem Halseliegen.^ Der Autor beeilte sich freilich selber nach Möglichkeit. Wasfür Verdruß und Schaden hatte nicht Kant^, als seine „AllgemeineNaturgeschichte und Theorie des Himmels " 1755 — weil der VerlegerJoh. Friedr. Petersen in Königsberg fallierte und sein Lager versiegeltwurde — nicht auf die Messe gebracht werden konnte! Und dann be-gann das Drängen in den Druckereien. Noch wenn die Messe schon vorder Thür stand, wurden Auftrage erteilt. Nun eine Hast und Hetz, „daßzu vielen Nächten niemand zu Bette gehen konnte noch durffte", eineDruckform der andern auf dem Fuße folgte, der Korrektor nicht Schrittdamit zu halten vermochte, die Leute und Jungen abgemattet wurden,die Buchhändler sich wohl zuweilen beklagten, die letzten Bogen seien zufeucht eingepackt worden. Die Leipziger Drucker, die mit Aufträgen, undsolchen Aufträgen natürlich ganz besonders überhäuft wurden, haben daseinmal in den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts höchst anschaulich ge-schildert.^ Auch die Beschaffung des Papiers konnte dem Verleger genugVerdruß und Arbeit bereiten. Für die Anfertigung schönen Papierswenigstens begann die günstigste Zeit mit dem Monat Februar. Einekurze Frist von da bis zu Judikate! Wie, wenn bei unvorhergesehenemAndrang beim Papiermüller der Wintcrvorrat nicht ausreichte? Papier-lagcr, in denen Druckpapiere verschiedener Größe und Qualität vorrätigwarm, gab es nur wenige; die gewöhnlichen Papierhandlungen beschränktensich auf den Schreibmaterialicnhandel; daß man so oft feiern müsse, weildas Papier fehle, war ein bis in die neuere Zeit immer wiederkehrenderKlagepunkt der Druckereien. Neben den dienstbaren Geistern des Geistesund der Technik setzte der Buchhändler jetzt auch die minsra eontriduens