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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Vorbereitungen znr Messe. Meßreise.

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1>1ed« in Bewegung. Der Buchhändler brauchte zur Messe eine möglichstwohlgefülltc Geldkatze: die Herren vom technischen Gewerbe waren zu be-zahlen; nicht minder die Ritter vom Geiste; die Kontrakte mit beiden stipu-lierten gewöhnlich: Zahlung zur nächsten Messe. Es war deshalb üblich,daß das Publikum damals sagte man: Kundlcute, Bücherkäufer, inder zweiten Hälfte deS 18. Jahrhunderts wurde die Bezeichnung Particulierherrschend vor der Messe seine Jahrcsrechnungcn bezahlte; bezahlensollte: der Buchhäudlcr rechnete, daß er jedenfalls nicht mehr als zweiDrittel hereinbekam. Das stolze Endresultat der vormessentlichen Be-mühungen des Buchhändlers als Verlegers war der Ncuigkeitszettcl, derzur Aufnahme in den Mcßkatalog nach der Meßstadt gesendet wurde.Für ihn freilich kam es so sehr nicht daraus an, daß die darin an-gekündigten Neuigkeiten wirklich fertig waren. Mitunter waren sie nochgar nicht im Druck; mitunter sollten sie auch gar nicht gedruckt werden.

Bei der Vorbereitung zur Mcßreisc selbst war, falls man nicht einGewölbe fest gemietet hatte, die erste Sorge die um eine Wohnung; beider Ubcrfüllung der Stadt mit Fremden konnte ein Unterkommen sonstschwer zu finden sein. Auch die treuestcu Meßbcsucher, die dasselbeQuartier immer wieder bezogen, hatten eine Antündigungsuotiz wohlstets nötig; am 26. Dezember 1710 fragt seine Quartierwirtin beiElers in Halle, der auch die Neujahrsmesscu regelmäßig besuchte, brief-lich an, ob er denn diesmal käme,wegen der betten". ^ Meist wandteman sich natürlich auch mit solchen Bestellungen an Leipziger Geschäfts-freundein erster Linie an den Kommissionär; man zeigte ihm denTag der Ankunft an, bat ihn auch um Besorgung eines ueucu Markt-Helfers u. dcrgl. Endlich bewegten sich auf hochbcpacktcn Frachtwagendie Bücher, in Postkutschen, die an Koinmodität jene nicht gar sehr über-trafen, die Buchhäudlcr auf die Mcßstadt zu: auf denhohen",Stapell-aderBandstraßen", die von Schlesien und Polen über Görlitz , ausÖsterreich, Böhmen und Mühren über Wien und Prag, aus Bayern über Bayreuth, aus den Rhcinkreisen über Frankfurt, von Hamburg undden übrigen Seestädten her nach Leipzig führten; auf den Kommcrzial-straßcn (den Straßen für leichtere Frachtfuhrcn und Posten), die ausHolland durch Nicdcrsachscn über Magdeburg, aus Mecklenburg über Havel-berg, von Danzig her über Berlin, von Frankfurt a. O., von Sagau undvon Dresden her, aus dem Voigtland iiber Schöneck, aus Böhmen und