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L. Kapitel: Der Buchhandel.
Franken über Eger und Hof, von Gera , Frankenhauscn, Jena, Nordhauscnher in dem alten Handels-, Meß- und Stapelplatz zusammenliefen/ Keineangenehme, keine schnelle und keine billige Reise. Wenn Friedrich NicolaisBuchhandlungsdicner auf seiner Reise nach Leipzig während des Sieben-jährigen Kriegs in Wittenberg früh durch eine neben seinen: Bette platzendezwölfpfündige Kanonenkugel aufgeweckt wurde und nachher das Pflaster mitaufreißen mußtet so war das freilich eine besondere Fatalität. Aber vonder Leibeskonstitution des rüstigen Wittenberger Bürgermeisters und Buch-händlers Gottfried Zimmermann (Geschäftsthätigkeit 1696—1723) z. B.wird rühmend hervorgehoben, daß solche „dergestalt daucrhaftig" war,daß er die gewöhnlichen Meßreisen nach Leipzig und Frankfurt „sonderAnstoß mit Freuden verrichten könne" ^, und Eckart in Königsberggab im Jahre 1746 sein Geschäft aus u. a. aus „Überdruß an den be-schwerlichen Meßreisen"."' Kunststraßen gab es ja in Deutschland da-mals noch nicht; erst nach dem Siebenjährigen Kriege wurden die erstenmangelhaften Chausseen angelegt. Die Beschwerlichkeiten jener Reise imJahre 1765, die Goethe in „Dichtung und Wahrheit " schildert: die Wegein schlechtem Stande, durch Regen verdorben, endlich die Kutsche im Kotefestgefahren, die Reisenden selbst an der Arbeit sie loszubekommen, er-eigneten sich auf einer der verkehrsreichsten Strecken: der Frankfurter Buchhändler Fleischer hatte den angehenden Studenten nach Leipzig mit-genommen. Wir haben eine ähnliche und ausführlichere Schilderung voneinem Buchhändler selbst aus den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts.Straßen, über deren üble Beschaffenheit der Neuling — es war seineerste Meßreise — nicht genug staunen konnte; der Wagen holpert undstößt; „müde und an Kräften völlig erschöpft" kam er in Leipzig an.Der „erfahrene" Buchhändler war, wie gegen so manche andere, so auchgegen diese Beschwerlichkeiten buchhändlerischen Daseins körperlich undseelisch abgebrüht. Der Buchhändler, der neben unscrm Erzähler saß unddie Reise zum zwanzigsten mal machte, schlief andauernd und ließ sichin dieser Beschäftigung weder durch die Stöße des Wagens, noch durchdie Schönheiten der Landschaft stören." Die Nürnberger Kaufleutebrachen im Jahre 1749 am 6. Mai von Frankfurt a. M. auf und trafenam 11. Mai in Nürnberg cin.^ Zur Fahrt von Hamburg nach Leipzig brauchte der Reisende des 18. Jahrhunderts drei, von der Vorderschweiznach Leipzig zehn Tage. Was die Reisekosten betrifft, so kostete dem Lcip-