Mcßrcisc. Leipziger Buchhändlcrvicrtel.
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zigcr Buchhändler Reich im Jahre 1753 die Reise von Leipzig nach Frank-furt a. M. und zurück 47 Thalcr 12 gr." Die Kaufkraft des Geldesum die Mitte des 18. Jahrhunderts dreimal so hoch als die gegenwärtige«also 1 Rthlr. — 864 Pf.) angenommen, so kommt dabei auf den Tag,wenn man auf die Reise von Leipzig nach Frankfurt drei Tage rechnet,68 Mark unseres heutigen Geldes; die Kosten der „Hinaus"- und „Hinein-Rcisc" betrugen zusammen etwas über 400 Mark. Die Vorstädte oder viel-mehr die Vordörser Leipzigs, in denen auch die wohlhabenden Leipziger Buch-händler ihre Sommcrrcsidenzen hatten, waren erreicht; die Fcstungsmaucrntauchten auf, der alte Pleißenthurm grüßte, und durch eins der langen ge-wölbten Thorc gings hinein — hinein in die „schöne Stadt", die so mancherdeutsche Buchhändler mit Nicolai als seinen „zweyten Wohnort" betrachtete:denn, sagt Nicolai 1781, „ich bringe von jedem Jahre acht Wochen, dashaist beynahc den sechsten Teil meines Lebens daselbst zu".^ In der Thatgeht aus dem Ehe- und Hauskalcnder der Familie Nicolai in Berlin (1785) hervor, daß in diesem Jahre, vom Tage der Abreise bis zu demder Rückkehr gerechnet, sechzig Tage auf Nicolais Mcßreisen nach Leipzig kamen; vom 24. April — „Großes allgemeines Reinigungsfcst desHauses und aller Gerätschaften in demselben. Herr Nicolai entreißtihm und geht nach der Leipziger Ostcrmcssc" — bis zum 24. Mai undvom 13. Oktober bis zum 10. November, an welchem Tage die liebendeGattin mit Minchcn, Lottchcn und Karl dem Hausvater nach Schömberg entgcgenfährt.
Unsere alten Städte haben alle ihre Schuster-, Gerber-, Böttcher-,Fleischergassen u. s. w. So wurde auch in Frankfurt eine Gasse dieBuchgasse genannt. In Leipzig ist eine solche Bezeichnung nicht auf-gekommen; seine Buchhändlcrgcgcnd hatte es aber darum nicht minder. Sicbefand sich bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts hineinausschließlich in der innern Stadt. In der ältesten, der Buchführerzeit,waren für den Klcinvcrkauf noch die Stände unter den Bühnen desRathauses beliebt: hier standen die Kunz Kachelofen und Melchior Lotter .Später schob sich die Buchhündlcrlage mehr nach Osten, nach der Uni-versität — deren Gerichtsbarkeit die Buchhändler bis zum Jahre 1721unterstellt waren, und in deren Gebäuden selbst sich Buchhändlcrgewölbeund Druckereien und Niederlagen von Auswärtigen befanden — unddem lateinischen Viertel, dem Brennpunkt des allgemeinen Mcßvcrkehrs: