Ankunft auf dcr Messe. Zerstreuung und Geselligkeit, Mcßgeschäfte. 267
nunäinarius 966 außerhalb Leipzigs erschienene fertige Bücher. Rechnetman davon zwei Drittel auf die Ostermesse, und nimmt man an, daß vonjedem Artikel 300 Exemplare nach Leipzig geschafft wurden, so würdendamals gegen 200000 Exemplare auf den Gassen des Buchhändler-Viertels per Wagen angelangt sein, wobei einerseits der Druck aus-wärtiger Artikel in Leipzig — die doch auch zum Teil erst jetzt geliefertwurden —, andrerseits der Druck Leipziger Verlags außerhalb Leipzigs und die Sortimentzufuhr außer Rechnung geblieben ist. Die Ballenwurden abgeladen, geöffnet, die Bücher (Bogen) gezählt, registriert und indie Warenlager und Niederlagen eingeordnet. Außen am Gewölbe wurdengroße Tafeln mit Firma, Titelblättern und kurzen Auszügen aus denPrivilegien angehängt.
Und nun die Geschäfte selbst! Es waren heiße Tage. Schon vor5 Uhr morgens hieß es aufstehen; um 5 Uhr begannen die Geschäfte,begann man seine Besuche bei den Kollegen oder erschienen fremde Buch-händler bei einem selbst. „Welche mich", schreibt Elers (Halleschcs Waisen-haus) 1714 von der Ostcrmcssc aus, „frühe und nachmittags biß 8 Uhrsehr hingerichtet, daß ich meine Zunge kaum regen kunte vor vielemRechnen". August Hermann Franckc suchte ihn freilich gelegentlich miteiner frommen Buchhändlcrcrmahnung aufzurichten: „Sein Hauptgeschäft,"schrieb er ihm zur Michciclismcsse 1718, „gehet auf das Reich Gottes . .So nehme Er von aller äußerlichen Unruhe nichts in sich ein, ja SeinLeib nnd Seele müsse sich freuen in dem lebendigen Gott, wenn außerIhm Alles im Sturm ist." Aber ob sie recht anschlug? Um 7 Uhrabends patrouillierten die Stadtknechte durch die Gassen und triebenzum Einpacken. Da atmete mancher mit einem tiefen Seufzer auf undmeinte, für heute habe die Plage ein Ende. Aber die Macht des Stadt-knechts erstreckte sich nicht bis in das Innere dcr Gewölbe. Abends um^210 Uhr, so schreibt wieder Elers, wie er gerade einschlafen will,pochts an den Fensterladen, ein Buchführcr erscheint und rechnet mit ihmbis 12 Uhr nachts. „Da dachte ich, wie will das morgen frühe ab-laufen Übrigens fand Elers dabei noch Zeit zu beten und an demsündigen Buchhändlervolk Scclsorgc zutreiben. Er hatte in seinem Leip-ziger Mcßgewölbc einen Wandschirm stehen, dcr zunächst zwar unverdächtigaussah, hinter dem aber zwischen den Geschäften gesungen und gepredigtwurde. Eines Sonntags früh um 6 betete er dahinter mit zwei an-