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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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6, Kapitel: Der Buchhandel,

dcrn Buchhändlern.Kaum hatte drei Worte geredet", schreibt Elers,so pochet Herr Rath Faber an von Cöstritz; ich dachte erstlich: kannman denn nicht in der Stille am Sonntag mit einander beten, besännemich aber bald, und sagte zu Herrn Fabcr, er Hütte noch gemangelt, ersoltc sich eilend hinsetzen, damit er auch etwas abkriege von unsermSecgcn." Armer Fabcr! In Halle stürmten einstböse Leute", d. h.harmlose Meuschen, denen Elers, wenn sie nichts Böses ahnend seinenLaden besuchten, einenStachel im Gewissen zurückzulassen suchte", unterdein Schutze der Dunkelheit dem frommen Buchhändler den Laden uudwarfen ihm mit Steinen die Fenster ein; die Leipziger Meßbcsuchcrausdrücklich wird uns bezeugt, daß ElcrSsolches geistliche Priesterthuminsbesondere «xsieiite, wenn Er die Leipziger Oster- und Michaelis-Messen besuchte" scheinen auch nach dieser Richtung hin widerstands-fähiger gewesen zu sein.^

Nicht der frühe Beginn und die lange Dauer der Thätigkcitdas war, nicht nur im Buchhandel, in jenen alten Zeiten auch zu Hauseallgemein so, sondern jenerSturm", von dein Francke schreibt, undin dem die Mcßgeschäfte über den Buchhändler, der wohl an lange, abergcrnhigc tägliche Arbeit gewöhnt war, dahinbraustcn, machten diesemdie Meßtagc so aufregend und aufreibend, und das war es, was dieAlten den Jungen, wenn sie von ihren Abenteuern in Leipzig berichteten,zuerst und am fürchterlichsten ausmalten. Die Hauptgeschäfte der Ab-rechnung und Zahlung, mit denen sich die des Changierens und Be-stcllcns teilweise durchflochtcn, gingen in jener guten alten Zeit ebeneinfach so vor sich, daß mau, die schweren Handlungsbücher unter denArmen, von Gewölbe zu Gewölbe dahineilte. Ganz an jeglichem Prinzipeiner gewissen Ordnung fehlte es übrigens dabei nicht. Es hatte sich ganznaturgemäß der Brauch cutwickelt, daß jeder zuerst die vorzüglichstenHandlungen aufsuchte und dann zu Hause blieb, um sich selbst antreffenzu lassen 2"; ferner finden wir schon um die Wende des 17. Jahrhundertsden Gebrauch, der sich in seinen Resten bis in die Mitte des 19. er-halten hat, daß die letzte Woche für die I^siönsöZ bestimmt war.

Die Abrechnung selbst bestand in der Vcrglcichung der beiderseitigenKonten der offenen Rechnung mittels der Handelsbücher. Rcchnungs-dauer, Rechnungstcrmin haben sich im natürlichen Anschluß an die Ent-wickclnng der Messen entwickelt. Etwa seit der Mitte des 16. Jahr-