Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
302
Einzelbild herunterladen
 

302

6, Kapitel: Der Buchhandel,

Seiner eigenen Angabe nach ein großartiges Werk: umfassend ein ganzesJahrhundert, beruhend außer auf den Meßkatalogcn auf den bcsteinge-richtcten Bibliotheken aller Orte; in Wirklichkeit freilich doch nur eine fort-geführte Ausgabe der Willerschen Lollkl^io. Umfänglicher, vollständigerund gründlicher ist das zweite, die DraudiusschcBibliothek". Auch ihreGrundlage ist der Mcßkatalog; zugleich enthalten aber der Frankfurter und Leipziger Mcßkatalog vom Herbst 1607 eine an die Buchführergerichtete Aufforderung zur Einsendung von Verzeichnissen aller in ihrenBuchlädcn verkäuflichen Bücher und die Ankündigung, daß das Werkaußerdem auch die in allen alten Bibliotheken zu findenden Bücher ent-halten werde. Es erschien in drei Bänden: einem ersten der lebendenfremden Sprachen, darunter hier auch vlümisch und ungarisch ilMImtKeeaexaticg., 1l>10), einem zweiten der klassischen Sprachen (Lidliotn. elassiea,

1610) , einem dritten der deutschen Sprache (Lidl. libr. Zsriu. elassiea,

1611) . Das Werk ist alphabetisch nach Materien und Autoren, übrigensals erstes ausschließlich nach den Zunamen, geordnet; enthält unter dengroßen Hauptgruppcn in alphabetischer Folge hunderte von Unterab-teilungen, wozu noch im lateinischen Bande ein Anhang mit einer Unmengeweiterer Schlagworter kommt; enthält ein Ncrfasservcrzcichnis. Im Jahre1625 erschien es in neuer Auflage in der sich zum ersten mal die Theo-logen der verschiedenen Richtungen in eins zusammengezogen finden,die auf Grund der Bibliotheken bis zum Jahre 1524 ergänzt ist.Drauds Bibliothek sollte für lange Zeit der Höhepunkt der Bibliographiebleiben. Der geflissentlich unvollständige Foliant des alphabetischenUnivcrsalindex von Fabiani Justiniani, den im Jahre 1612 die Druckereides h. Apostolischen Stuhles gegen die unkastriertcn bibliographischenWerke Deutschlands schlenderte, hatte denselben, d. h. ebenso wenig Einflußauf den Büchermarkt, wie die einseitig katholischen Meßkataloge; dieprinzipielle Unvollständigkcit war für den Buchhandel wert- und inachtlos.

Der Meßkatalog mit seiner Anordnung nach Fakultäten war aberzugleich die gegebene Unterlage für die spezielle Bibliographie. Die wich-tigsten Beispiele aus der Zeit von der Begründung des Meßkatalogsbis zum Beginn des Dreißigjährigen Kriegs sind der von Wolfg. Frcymonin Frankfurt 1574 veranlaßte, 1579 und 1585 neu aufgelegte Katalogaller Schriften zum bürgerlichen und kanonischen Recht, der Wittcn-bcrger^ Katalog der über die Bibel handelnden Schriftsteller, 1578,