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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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6. Kapitel: Der Buchhnndcl.

man dürfe sich nicht einbilden, daß alle Bücher, die in einem AnktionS-katalogc vorkämen, jederzeit einem einzigen gelehrten Manne, der ausdem Titel erscheine, zuständig gewesen seien;denn so weiß man, daßwenn ein ansehnlicher Bücher-Vorrath zu veranetionircn ist, zum ThcilBuchführcr, zum Thcil auch Gelehrte, die etwas doppelt besitzen, oderdoch sonst gern loß sehn woltcn, das Ihrige mit cinflcchten".^ Undunter und neben dem eigentlichen Buchhandel wucherte weithin derAultionshandcl der Buchbinder; in Zürich mußte ihnen im Jahre 1753geboten werden, die Büchcrgantcn nur in den Ferien abzuhalten, damitStudiosi und Scholareo möglichst wenig Zeit versäumen müßten. ^"

Die Büchcrauktiou, wenigstens wenn es sich um die Veräußerungwertvoller Bibliotheken handelte, war sicher ein Mittel, das dem Alt-handel durchaus augcmcsscn und dazu angethcm war, das Interesse desPublikums zu erhöhen und, namentlich wenn sie in der gediegenen Weisegehandhabt wurde, wie sie in Holland aufkam, Buchhandel und Publikumzu desto aufmerksamerer Würdigung und Wertschätzung aller Büchcr-schätze zu erziehen oder diese doch zu pflegen uud zu fördern. Der inHaag gedruckte Auktionskatalog der Lidliotlisea Llu'rlv/ilmg, vom Jahre1715 wird von einer?raöt'atil> eingeleitet, die darüber unterrichtet, wieman die Editionen unterscheiden und erkennen solle, ob ein Bnch rarsei oder nicht, uud bemerkt hinter den einzelnen Titeln Edition, Konditionnnd Rarität: ele^Mtissirne exsmxllu' eckitio elsAiintisÄM^» l>.clonAö i'lU'issima. lidsr rm'us, rln'issimns optima et rarg, versio nasc eclitio et vsisio omniuui aeeuriltissim», st rarissiwa«,xud Lrnclitos in umAiw preti« u. s. w. In Deutschland war der-gleichen damals noch ungebräuchlich, übrigens auch in Holtaud durchausnicht Regel. Der Kollektor eines holländischen lüatiüoZns Libliotnseaksöleetiss. ad anno 1716 z. B. tadelt den Gebrauch: cS sei thöricht,den Gelehrten, die darüber selbst Bescheid wüßten, Biichcr rekommandicrcnzu wollen.^"

Anders mit der Büchcrlottcric. Welch ein der Natur des Bucheswidersprechender Gedanke, die Wahl seiner Bücher dem blinden Spieledes Zufalls zu überlassen! Auf dem Gebiete des Kunsthandcls ist esnoch am ersten möglich. Innerhalb gewisser Grenzen wenigstens ist esschließlich oft gleichgültig, um welche Bilder man seine Mappen vermehrenoder mit welchen Knnstgcgcnständcu man sein Zimmer schmücken will.